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RESTBIERAKTEN · KAPITEL 10

TAXI FÜR FÜNF

Taxi für fünf – Original-Artwork auf SoundCloud

TAXI FÜR FÜNF

Die Geschichte

Das Experiment ist beendet.

Zumindest behauptet Phanti das.

Chris ist anderer Meinung.

„Oh."

Phanti geht weiter.

„Ah."

Keine Reaktion.

„Oh."

Phanti bleibt stehen.

Chris ebenfalls.

„Was?"

„Ich prüfe die Haltbarkeit."

„Von was?"

„Dem Protokoll."

Phanti zeigt auf ihn.

„Noch einmal und du läufst."

Chris grinst.

„Wohin?"

Phanti schaut die Straße entlang.

Dann auf die Gruppe vor ihnen.

„Gute Frage."

— Sechs Leute stehen am Straßenrand.

Das wäre zunächst nicht bemerkenswert.

Das Problem ist das Taxi vor ihnen.

Und die Tatsache, dass offenbar alle sechs überzeugt sind, hineinzupassen.

Chris zählt.

„Sechs."

Phanti:

„Stark."

„Das Taxi hat fünf Plätze."

„Noch stärker."

— Die Beifahrertür ist bereits offen.

Natürlich.

Der Mann mit dem Döner hat Fakten geschaffen.

Er sitzt vorne.

Angeschnallt.

Döner auf dem Schoß.

Bereit.

Als wäre die Diskussion hinter ihm ein Problem der Zivilbevölkerung.

— Eine Frau klopft gegen die Scheibe.

„Wir sind sechs."

Der Mann vorne:

„Passt."

Der Fahrer dreht langsam den Kopf.

„Nein."

Phanti nickt.

„Starker Mann."

— Hinten beginnt die Verhandlung.

„Einer auf den Schoß."

„Nein."

„Ist doch nicht weit."

Der Fahrer:

„Wo müssen Sie hin?"

Stille.

— „Also ich nach Norden."

„Adresse."

„Moment."

Telefon raus.

Zwei Prozent Akku.

Chris:

„Sehr gut."

Phanti:

„Professionell vorbereitet."

— Die nächste Person muss nach Süden.

Ein anderer will zur Afterhour.

Einer will „nur kurz noch wohin".

Niemand kann sagen, wohin genau.

Der Fahrer hebt die Hand.

Ruhe.

Er zeigt auf den Mann mit dem Döner.

„Und Sie?"

Der Mann kaut.

„Ich bin flexibel."

Phanti:

„Der sitzt schon."

Chris:

„Flexibilität aus einer starken Verhandlungsposition."

— Die Frau zählt erneut.

„Wir sind sechs."

Der Mann vorne:

„Nein."

Alle schauen ihn an.

Er schluckt.

„Also emotional sind wir fünf."

Stille.

Chris dreht den Kopf zu Phanti.

Phanti schließt kurz die Augen.

„Was?", fragt die Frau.

Der Mann zeigt auf seinen Döner.

„Ich bin Beifahrer."

Chris:

„Das ist keine eigene Bevölkerungsgruppe."

— Der Fahrer steigt aus.

Jetzt stehen sieben Menschen vor einem Taxi und keiner fährt.

„Fünf", sagt er.

Fünf Finger.

„Nicht sechs."

Der Mann mit dem Döner:

„Aber wenn—"

„Nein."

„Sie wissen doch gar nicht—"

„Nein."

Phanti:

„Ich mag ihn."

— Einer aus der Gruppe hebt sein Telefon.

„Wir bestellen einfach noch eins."

Kurze Hoffnung.

Dann:

„Akku leer."

Phanti:

„Natürlich."

Eine Frau:

„Ich hab zwei Prozent."

Chris:

„Die strategische Reserve."

— App auf.

Displayhelligkeit maximal.

Die App lädt.

Dann:

„Kein Netz."

Phanti schaut Chris an.

„Sag nichts."

Chris:

„Ich wollte nur Oh—"

„Nein."

— Der Fahrer hat inzwischen aufgehört, Teil der Lösung zu sein.

Er beobachtet nur noch.

„Wir fahren einfach erst mal los", sagt jemand.

Der Fahrer:

„Wohin?"

„Das klären wir unterwegs."

Phanti:

„Ich korrigiere."

Chris:

„Was?"

„Ich mag ihn nicht."

„Wen?"

„Alle."

— Der Mann mit dem Döner öffnet wieder die Tür.

„Können wir wenigstens schon einsteigen?"

Der Fahrer:

„Nein."

„Warum?"

„Weil ich nicht weiß, wohin."

— Jeder hat einen Plan.

Nur keiner denselben.

Einer will nach Hause.

Zwei wollen weiter.

Eine will erst jemanden absetzen.

Einer kennt eine Afterhour.

Zumindest angeblich.

Der Mann mit dem Döner möchte vor allem seinen Platz behalten.

— Chris:

„Wer kennt die Afterhour?"

Ein Mann hebt die Hand.

„Ich."

„Adresse?"

„Hab ich nicht."

„Name?"

„Weiß ich gerade nicht."

Phanti:

„Person?"

„Kenn da einen."

Chris:

„Wen?"

Pause.

„Müsste ich schauen."

Phanti:

„Robustes System."

— Dann die entscheidende Frage:

„Einer muss raus."

Stille.

Niemand.

„Wer wohnt am nächsten?"

Alle zeigen in unterschiedliche Richtungen.

Phanti:

„Sehr gut."

— Der Fahrer setzt sich wieder hinter das Steuer.

„Fünf Personen. Eine Adresse. Dann fahre ich."

Die Gruppe beginnt erneut zu diskutieren.

Diesmal über die Adresse.

Chris lehnt sich an eine Wand.

Phanti neben ihn.

„Wir können gehen."

Chris:

„Auf keinen Fall."

„Warum?"

Chris zeigt auf die Gruppe.

„Ich will wissen, wie das endet."

Phanti:

„Du bist Teil des Problems."

— Dann bekommt die Frau mit zwei Prozent Netz.

„Ich hab ein zweites Taxi!"

Jubel.

Ehrlicher Jubel.

„Wann?"

Sie schaut aufs Display.

„Acht Minuten."

Der erste Fahrer:

„Dann fahren drei bei mir."

Stille.

„Warum drei?"

„Weil drei im anderen fahren."

— Jetzt beginnt die nächste Verhandlung:

Wer fährt in welchem Taxi?

Pärchen wollen zusammenbleiben.

Zwei wohnen angeblich in derselben Richtung.

Stellt sich heraus: nein.

Der Afterhour-Mann will unbedingt ins zweite Taxi.

Warum?

„Wegen Organisation."

Niemand fragt weiter.

Und der Mann mit dem Döner?

Sitzt noch immer vorne.

Unbeweglich.

Phanti zeigt auf ihn.

„Der gewinnt."

Chris:

„Seit Beginn."

— Schließlich stehen drei Menschen am ersten Taxi.

Drei warten auf das zweite.

Mathematik hat sich durchgesetzt.

Nicht elegant.

Aber vollständig.

Der Fahrer schaut zu den drei.

„Adresse."

Pause.

Chris schlägt beide Hände vors Gesicht.

Phanti dreht sich weg.

„Norden", sagt einer.

Der Fahrer:

„Adresse."

„Moment."

Telefon.

Ein Prozent.

Phanti:

„Wir gehen."

Chris:

„Ja."

— Ein paar Meter weiter zieht Chris sein Telefon heraus.

Neue Notiz.

Phanti:

„Natürlich."

Chris tippt:

**TAXI FÜR FÜNF**

Darunter:

**Sechs Leute. Sechs Ideen.**

Phanti:

„Döner vorne."

Chris schreibt.

„Zwei Prozent."

Schreibt.

„Norden."

Schreibt.

„Süden."

Schreibt.

„Afterhour ohne Adresse."

Chris:

„Bleibt."

Phanti:

„Mathematik als Verhandlungssache."

Chris tippt.

— Sie haben kein physisches Beweismittel.

Keine Krone.

Keinen Delfin.

Kein Shirt.

Nicht einmal das Taxi.

Chris:

„Wir brauchen keins."

Phanti:

„Schon wieder?"

„Der Fall beweist sich selbst."

— Sie schauen zurück.

Ein Teil der Gruppe steht noch immer am Straßenrand.

Einer telefoniert.

Eine gestikuliert.

Der Afterhour-Mann zeigt in irgendeine Richtung.

Chris schreibt:

**BEWEISMITTEL 10**

**Sechs Personen.**

**Ein Taxi.**

**Keine gemeinsame Adresse.**

Phanti:

„Döner."

Chris ergänzt:

**Ein Döner mit gesichertem Sitzplatz.**

Phanti nickt.

„Jetzt ist es vollständig."

— Kurz darauf vibriert Chris' Telefon.

Ein Bild.

Die Gruppe.

Im Taxi.

Zumindest ein Teil davon.

Der Mann mit dem Döner vorne.

Daumen hoch.

Darunter:

**Sind unterwegs.**

Chris zeigt es Phanti.

Phanti:

„Wohin?"

Keine Adresse.

Keine Erklärung.

Chris:

„Keine Ahnung."

Phanti steckt die Hände in die Taschen.

„Perfekt."

— Vielleicht ist das der eigentliche Fall.

Sechs Erwachsene.

Sechs Vorstellungen.

Fünf Plätze.

Mehrere Ziele.

Kaum Akku.

Keine Adresse.

Und trotzdem vollständige Zuversicht, dass man nur losfahren müsse und der Rest sich unterwegs schon irgendwie ergeben werde.

Chris schließt die Notiz.

Phanti:

„Akte zu?"

Chris:

„Akte zu."

**Beweismittel zehn.**

**TAXI FÜR FÜNF.**

**Akte 10 geschlossen.**