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In meinem Namen · KAPITEL 2

Entwurf gespeichert

In meinem Namen – Original-Artwork auf SoundCloud

Zwei Wörter

Olli schlief früh ein. Chris hörte durch die angelehnte Küchentür, wie das Sofa bei jeder Bewegung knarrte. Er hätte ebenfalls ins Bett gehen können. Stattdessen öffnete er das Video, das er nachmittags hochgeladen hatte.

Ein kurzer Ausschnitt aus dem Studio. Acht Takte. Unter dem Beitrag stand ein Kommentar: Große Nummer.

Sonst nichts.

Chris klickte auf das Profil. Ein Auto, ein Hund, ein Mann in einer verspiegelten Sonnenbrille. Vielleicht war der Kommentar freundlich. Vielleicht nicht. Er las ihn mit Patricks Stimme und hatte damit entschieden.

Er schrieb eine Antwort. Sie sollte aussehen, als habe sie ihn drei Sekunden gekostet. Dafür brauchte er zwölf Minuten.

Ein lachendes Gesicht am Ende machte sie kleinlich. Ohne Gesicht wirkte sie beleidigt. Er änderte ein Wort, las den Kommentar erneut, öffnete wieder das Profil.

Auf dem Herd stand Reis. Er hatte ihn vor einer Stunde aufgesetzt. Als er den Deckel anhob, war er zu einem flachen Block geworden.

Chris nahm einen Teller, schabte etwas Reis darauf und setzte sich wieder. Der erste Bissen schmeckte nach nichts. Beim zweiten hielt er das Telefon bereits in beiden Händen.

Es war leicht, Informationen zu finden. Alte Beiträge, widersprüchliche Aussagen, ein peinliches Foto. Chris sammelte sie in einem Album. Der Hund hatte auf einem Bild einen Geburtstagskuchen vor sich. Er machte sogar davon einen Screenshot.

Der Absatz

Um drei Uhr sieben war die Antwort so lang, dass er sie in die Notizen kopiert hatte.

Er scrollte zum Anfang. Sein eigener Name kam einmal vor, der des fremden Mannes siebenmal. Darunter das Auto, die Sonnenbrille, eine Bemerkung über die Wohnung im Hintergrund eines Fotos.

Chris hörte Olli husten.

Er sah auf die Küchentür. Ein Gast schlief auf seinem Sofa, weil ein anderer über ihn verfügt hatte. Chris saß drei Meter entfernt und bereitete vor, einen Unbekannten mit dessen Wohnzimmer vorzuführen.

Das war kein schöner Gedanke. Er versuchte, ihn klein zu machen. Öffentliche Bilder. Öffentlicher Kommentar. Wer austeilt.

Der nächste Satz seiner Antwort erwähnte den Hund.

Er löschte ihn.

Dann den Absatz über die Wohnung.

Die Wut nahm davon nicht ab. Sie blieb in den Daumen, in der Spannung unter seinem Kiefer. Er hätte gern eine Handlung gehabt, nach der der Abend wieder ihm gehörte.

Er speicherte den Text als Entwurf.

An der Spüle hielt er den Teller unter warmes Wasser. Reis löste sich in weißen Flocken. Das Telefon leuchtete auf dem Tisch. Chris drehte den Kopf, bevor er wusste, ob jemand geschrieben hatte.

Es war eine Mail.

Im Betreff stand der Name der Veranstaltung, bei der er am Samstag auftreten sollte.

Er trocknete sich die Hände an der Hose ab.

In Verbindung bleiben.