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In meinem Namen · KAPITEL 1

In meinem Namen

In meinem Namen – Original-Artwork auf SoundCloud

Die Liste

Seine Adresse stand unter einem grünen Haken.

Chris hielt das Telefon dicht vor die Augen, obwohl die Schrift groß genug war. Vier Namen, vier Ankunftszeiten. Dahinter dieselbe Unterkunft: bei Chris. Einer hatte noch ein Bett-Symbol ergänzt. Unter der Liste stand: Alles geklärt.

In seinem Flur lagen zwei Umzugskartons, die ihm nicht gehörten. Auf einem hatte Eva mit schwarzem Filzstift KÜCHE geschrieben. Der andere war offen. Oben lag ein Sieb, dessen Griff zwischen zwei Tellern klemmte. Seit Sonntag hatte Chris jedes Mal einen Schritt darüber gemacht, wenn er zur Wohnungstür ging.

Jetzt war Donnerstag.

Er scrollte zurück. Patrick hatte die Liste gestern Abend geschickt. Da war Chris im Studio gewesen, das Telefon stumm in der Jacke. Die Zusagen darunter waren präzise: Ticket gekauft. Hotel storniert. Komme mit dem letzten Regionalzug.

Patrick schrieb noch immer in die Gruppe, als verwaltete er ein Gebäude. Wer bringt Bettzeug? Chris hat genug Platz. Freitag essen wir zusammen, Samstag fahren wir zur Bühne.

Chris stellte die Tasse ab. Der Rand hinterließ einen halben Kreis auf dem Tisch.

Er tippte: Wer hat gesagt, dass ihr hier schlafen könnt?

Löschte die Frage.

Bei einer Frage konnte Patrick antworten. Er konnte erklären, was er gemeint hatte, wie praktisch das sei, dass Chris es beim letzten Mal auch möglich gemacht habe. Chris sah die früheren Wochenenden vor sich: Matratzen zwischen Tür und Schrank, fremde Ladekabel an jeder Steckdose, morgens sechs Leute in einer Küche, deren Unordnung am Sonntag ihm gehörte.

Er schrieb: Die Zusage kam nicht von mir. Bei mir sind keine Übernachtungen vereinbart. Bitte plant anders.

Dann legte er das Telefon mit dem Display nach unten.

Es vibrierte sofort. Erst kurz, dann so lange, dass die Tasse einen feinen Ton von sich gab. Patrick rief an.

Chris ließ es klingeln.

Der Gast

Am selben Abend stand ein Mann vor der Haustür, der zu höflich wirkte, um absichtlich Druck zu machen. Er hatte eine dunkelblaue Reisetasche am Fuß, eine zerknitterte Fahrkarte in der Hand und nasse Haare. Chris erkannte ihn von einem Konzert. Olli. Sie hatten sich einmal über einen kaputten Monitor unterhalten.

»Ich hab erst im Zug nachgelesen«, sagte Olli.

Chris schaute auf die Tasche. Ihre Unterseite war vom Regen dunkel.

»Patrick dachte, das wäre okay.«

»Patrick hat dich hergeschickt.«

Olli nickte. Er schob die Fahrkarte in eine Seitentasche, zog sie wieder heraus und faltete sie kleiner. »Ich such mir was. Ich wollte nur nicht einfach vor deinem Haus stehen und verschwinden.«

Aus dem Treppenhaus roch es nach angebratenen Zwiebeln. Oben schlug eine Tür zu. Chris hielt die Haustür mit der Schulter offen.

»Eine Nacht«, sagte er. »Morgen musst du dir was anderes organisieren.«

Olli sah ihn an, ohne sofort zu danken. Das machte es leichter.

Oben nahm Chris eine Decke aus dem Schrank. Eva hatte sie im Winter gekauft. Er hatte nicht gewusst, dass sie noch da war, bis er danach griff.

Olli legte die Tasche unter die Garderobe. Er sah die Kartons, fragte aber nichts. Später saß er auf dem ausgezogenen Sofa und suchte auf seinem Telefon nach einem Zimmer. Chris schickte Patrick eine Nachricht: Olli bleibt heute. Das bestätigt keine deiner anderen Zusagen.

Patrick antwortete: Geht doch.

Chris las die beiden Wörter zweimal. Dann stellte er Olli ein Glas Wasser auf den Tisch.

»WLAN steht auf dem Router.«

Er ging in die Küche. Dort wartete die Tasse vom Vortag, mit einer braunen Linie auf der Innenseite.

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