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In meinem Namen · KAPITEL 3

Zu früh gefeiert

In meinem Namen – Original-Artwork auf SoundCloud

Acht Plätze

Die Absage war sachlich. Technische Schwierigkeiten mit dem Veranstaltungsort. Keine Ersatzfläche. Rückerstattung. Bedauern.

Chris öffnete den Anhang, als könne darin eine andere Entscheidung stehen.

Auf seinem Kühlschrank hing der ausgedruckte Ablauf. Zwanzig Uhr, Chris Crumb. Ein Slot von fünfundzwanzig Minuten. Er hatte ein Foto davon verschickt und beim Erzählen aus fünfundzwanzig Minuten allmählich einen ganzen Abend gemacht.

Freitag um sieben war ein Tisch für acht bestellt.

Er hätte noch absagen können. Nicht die Veranstaltung, die war bereits weg. Nur das Essen. Oder er hätte eine Nachricht schreiben können, die nüchtern genug war, um nicht nach Scham zu klingen.

Bis mittags hatte er keine Formulierung gefunden.

Als er am Abend ins Restaurant kam, saßen die ersten drei bereits. Patrick hatte einen Stuhl mit seiner Jacke freigehalten. Dani stand am Tresen und verhandelte mit dem Kellner über eine Karaffe Wasser. Jens fehlte noch.

»Da ist der Mann des Wochenendes«, sagte Patrick.

Chris setzte sich.

Die Speisekarte war schwer, schwarzes Kunstleder, eine klebrige Ecke. Er schlug sie auf, obwohl er seit Jahren dasselbe bestellte. Dani stellte ihm Wasser hin. Olli schrieb, dass er ein Zimmer gefunden habe. Chris antwortete mit einem Daumen, den er unmittelbar danach unpassend fand.

Jens kam zehn Minuten später. Er legte seine Jacke über die Lehne, sah Chris an und hob das Glas.

»Auf Samstag.«

Chris hob seins.

Das Bild

Patrick wollte ein Foto. Alle mussten näher zusammenrücken. Chris sah sich auf dem Display: Cap, schwarze Jacke, breites Grinsen. Er kannte dieses Gesicht. Er konnte es herstellen, bevor er entschieden hatte, wie es ihm ging.

Der Kellner brachte Brot.

Dani fragte, wann sie morgen losfahren sollten.

»Fahren wir überhaupt zusammen?«, fragte Jens.

Chris nahm die Karte wieder hoch. Er hätte gern die Bestellung abgewartet. Dann das Essen. Dann einen Moment, in dem alle ohnehin über etwas anderes sprachen.

»Es fällt aus«, sagte er.

Patrick hielt das Telefon noch auf Augenhöhe.

»Was?«

»Die ganze Veranstaltung. Die Mail kam heute Nacht.«

Jens stellte sein Glas ab. Dani schob den Brotkorb in die Mitte. Einer fragte nach dem Grund, einer nach den Tickets. Chris beantwortete beides. Er sagte auch, wie lang der Auftritt tatsächlich gewesen wäre.

Das tat mehr weh als die Absage.

Patrick ließ das Telefon sinken. »Hättest du doch gleich schreiben können.«

»Ja.«

Chris sah zu Jens. Der öffnete seinen Kalender und strich den Termin. Seine Fingerbewegung war klein. Chris hatte den Mann vor einer Woche gedrängt, sich freizunehmen.

»Tut mir leid«, sagte er.

Jens nickte, ohne hochzusehen.

Das Essen kam. Der Kellner kannte die Absage nicht. Er fragte, wer den großen Salat bekam, und wartete mit dem Teller in der Hand, bis jemand antwortete.

Dani nahm ihn. Chris rück sein Glas beiseite.

Niemand ging.

In Verbindung bleiben.