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In meinem Namen · KAPITEL 7

Nur diesmal

In meinem Namen – Original-Artwork auf SoundCloud

Die alte Aufnahme

Es dauerte bis zum nächsten Abend, bis Chris merkte, was an Jens anders gewesen war.

Jens hatte von der Arbeit erzählt. Von einem defekten Drucker. Von einem Nachbarn, der sein Fahrrad im Treppenhaus abstellte. Nichts, was Chris nicht jedem hätte weitererzählen dürfen.

Vor einem Jahr war das anders gewesen.

Damals hatte Jens nachts eine Aufnahme geschickt. Kein Song, keine Probe. Er saß in seiner Küche, das Bild leicht schief. Hinter ihm stand eine offene Schranktür. Er sprach über seine Trennung. Zweimal brach der Satz ab. Am Ende sah er zur Seite und hielt die Hand vor den Mund.

Darunter stand: Bitte lass das bei dir. Ich krieg grad keinen geraden Satz raus.

Chris hatte die Aufnahme gehört, während er Dateien exportierte. Er hatte Jens nicht angerufen. Stattdessen hatte er sie an Patrick geschickt, mit dem Zusatz: Der ist komplett fertig. Kannst du morgen nach ihm schauen?

Es hatte sogar nach Fürsorge ausgesehen.

Chris erinnerte sich, wie er sich damit zufriedengegeben hatte. Patrick wohnte näher. Patrick würde helfen. Chris musste noch arbeiten.

Am nächsten Abend hatte er beim Essen einen Spruch über Jens gemacht. Keine Bosheit, hatte er gedacht. Eine kleine Entlastung. Jens stand draußen am Telefon. Die anderen lachten. Als Jens wieder hereinkam, hatte Chris ihm ein Glas gereicht.

Derselbe Satz

Jetzt lag die Erinnerung vor ihm, ohne die früheren Begründungen an ihrem Platz.

Chris suchte den alten Chat. Er wusste das ungefähre Datum, weil er damals an einer bestimmten Aufnahme gearbeitet hatte. Er scrollte trotzdem fast zwanzig Minuten.

Das Video war noch da.

Die beiden Zeilen darunter auch.

Er öffnete den Chat mit Patrick. Dort stand derselbe Film, einschließlich der Bitte, ihn nicht weiterzugeben.

Chris legte das Telefon auf den Tisch.

Er hätte schreiben können: Weißt du noch, ob du das damals jemandem gezeigt hast?

Damit hätte er Patrick zum ersten Problem gemacht.

Er hätte Jens schreiben können: Ich wollte, dass sich jemand kümmert.

Damit wäre seine Absicht wieder vor Jens' Wunsch gerückt.

In der Küche summte der Kühlschrank. Chris setzte sich, stand wieder auf, nahm Wasser, trank es im Stehen. Dann tippte er Jens' Namen in die Suche. Es erschienen Jahre von Nachrichten. Fahrten, Termine, Witze, kurze Fragen. Die langen Nachrichten hörten irgendwann auf.

Er wusste nicht mehr, wann.

Bei dem nächsten Treffen würde er fragen, wie es Jens ging. Wirklich fragen. Der Gedanke war bequem. Er legte die Entscheidung in eine Zukunft, in der Chris vielleicht besser sein würde.

Er öffnete einen neuen Text.

Schrieb: Ich muss dir was sagen.

Die Nachricht blieb ungesendet.

In Verbindung bleiben.