Zwanzig Sekunden
Zwei Tage später saß Patrick in einer Bar und spielte auf seinem Telefon eine Aufnahme ab. Chris hörte Jens' Stimme, bevor er das Bild sah.
Es waren zwanzig Sekunden aus dem alten Video.
Die Schranktür war noch im Hintergrund. Der Satz brach an derselben Stelle ab. Patrick hatte die Lautstärke niedrig gestellt. Das machte die Szene nicht privat.
»Hat mir einer wieder geschickt«, sagte er.
Am Tisch saßen zwei Leute, die Jens nur flüchtig kannten. Einer grinste unsicher. Der andere sah auf sein Bier.
Chris hielt die Hand über das Telefon.
Patrick schaute hoch. »Was denn?«
»Mach aus.«
»Ist doch ewig her.«
Die Tür ging auf. Jens kam herein.
Patrick drehte das Telefon um. Zu schnell. Einer der Männer griff nach seinem Glas, ohne zu trinken. Jens sah von einem Gesicht zum nächsten. Er blieb neben dem leeren Stuhl stehen.
Chris öffnete den Mund.
Jens nahm seine Jacke, die er bereits auf die Lehne gelegt hatte, wieder hoch.
»Ich muss noch was erledigen.«
Er ging.
Die Haltestelle
Chris folgte ihm nach draußen. Es nieselte. Jens stand in der Haltestelle gegenüber, die Schultern hochgezogen. Zwischen ihnen rollte ein Lieferwagen vorbei.
Chris nahm das Telefon heraus. Seine Finger waren feucht.
Ich hab deine Aufnahme damals an Patrick weitergeschickt. Mit deiner Nachricht darunter. Ich hab vorher nicht gefragt. Patrick hat sie heute wieder abgespielt.
Er löschte den letzten Satz.
Ich hab deine Aufnahme damals an Patrick weitergeschickt. Mit deiner Nachricht darunter. Ich hab vorher nicht gefragt.
Er schickte den Text.
Jens griff in die Jacke. Hinter dem beschlagenen Glas senkte er den Kopf. Dann sah er auf.
Chris ging über die Straße, als die Ampel grün wurde.
»Ich wollte, dass er nach dir schaut«, sagte er.
Er hörte selbst, wie schnell die Erklärung kam.
Jens steckte das Telefon weg. »Hättest du mich fragen können.«
»Ja.«
»Oder mich anrufen.«
Chris nickte.
Ein Bus hielt. Zwei Leute stiegen aus. Jens blieb unter dem Dach.
»Du kannst denen schreiben, dass sie es löschen sollen«, sagte er. »Aber ich weiß nicht, wem sie es geschickt haben.«
»Ich auch nicht.«
Jens sah ihn an. »Dann schreib das dazu.«
Der Fahrer wartete. Jens stieg ein, ohne die Hand zu heben.
Chris blieb an der Haltestelle und schrieb in die alte Gruppe. Er nannte die Aufnahme, das Datum, seine Weiterleitung. Er bat um Löschung und darum, auch weitere Empfänger zu informieren. Er schrieb, dass er nicht wusste, wie weit sie verbreitet worden war.
Dann schrieb er Patrick.
Die ersten Antworten kamen, als der Bus längst verschwunden war. Manche behaupteten, die Datei nicht mehr zu haben. Einer schickte einen Screenshot vom Papierkorb. Patrick rief an.
Chris nahm ab.
Er musste diesmal zuhören und trotzdem bei seinem Satz bleiben.
