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RESTBIERAKTEN · KAPITEL 3

FLOSSENARCHIV

Flossenarchiv – Original-Artwork auf SoundCloud

FLOSSENARCHIV

Die Geschichte

Der Delfin liegt auf dem Tisch.

Chris betrachtet ihn.

Phanti ebenfalls.

Keiner sagt etwas.

Das Tier ist ungefähr so glaubwürdig wie eine Rolex aus einem Greifautomaten.

Grau.

Gummi.

Das aufgemalte Auge schaut leicht nach links, als suche es bereits einen Fluchtweg.

Chris nimmt ihn hoch.

Drückt einmal gegen den Bauch.

Quietsch.

Er legt ihn wieder hin.

„Nein."

Phanti:

„Doch."

Chris:

„Wo kommt der her?"

„Fundstück drei."

„Das beantwortet meine Frage nicht."

„Mehr weiß ich nicht."

Chris sieht den Delfin an.

„Warum haben wir den mitgenommen?"

Phanti:

„Schau ihn dir an."

Chris wartet.

„Das ist inzwischen deine Begründung für alles."

„Funktioniert."

— Der Delfin quietscht ein zweites Mal.

Diesmal hat ihn niemand angefasst.

Chris schaut zu Phanti.

Phanti zum Delfin.

Pause.

„Der will raus", sagt Phanti.

„Aus was?"

Phanti deutet auf die kleine Tasche, in der sie ihn gefunden haben.

Chris betrachtet beides.

Dann schüttelt er den Kopf.

„Bauchfaltenschutzprogramm."

Phanti dreht sich langsam zu ihm.

Chris merkt sofort:

Fehler.

Phanti:

„Sag das nochmal."

„Nein."

„Zu spät."

— Damit beginnt es.

Nicht mit Streit.

Nicht mit einer Ansage.

Mit einem Plastikdelfin.

— Der Mann, dem das Ding offenbar gehört, taucht kurz darauf auf.

Chris erkennt ihn nicht.

Phanti schon gar nicht.

Aber andere offenbar.

„DJ Bierkönig!"

Der Ruf kommt von irgendwo hinten.

Der Mann hebt die Hand.

Sonnenbrille.

Natürlich.

Bauchtasche.

Natürlich.

Breites Grinsen.

Noch natürlicher.

Er bewegt sich durch den Raum mit jener Art von Selbstverständlichkeit, die Chris inzwischen zuverlässig erkennt:

Jemand hat lange genug eine Figur gespielt, bis niemand mehr weiß, wo die Figur aufhört.

Vielleicht er selbst auch nicht.

— Phanti schaut auf den Delfin.

Dann auf die Bauchtasche.

Dann wieder auf den Delfin.

Chris sieht dieselbe Verbindung.

„Nein", sagt Chris.

Phanti:

„Ich hab nichts gesagt."

„Dein Gesicht."

„Mein Gesicht ist privat."

Chris schaut ihn an.

Pause.

Dann müssen beide lachen.

— Der DJ kommt näher.

Er sieht den Delfin.

Stoppt.

„Da ist er ja!"

Phanti legt eine Hand auf das Tier.

„Moment."

Der Mann lacht.

„Was Moment?"

„Identitätsprüfung."

„Das ist mein Delfin."

Phanti:

„Kann jeder behaupten."

Chris:

„Merkmale?"

Der DJ schaut zwischen beiden hin und her.

„Was macht ihr da?"

Chris:

„Identitätsprüfung."

„Das hat er gerade gesagt."

Chris:

„Dann läuft das Verfahren."

— Der Mann greift nach dem Delfin.

Phanti zieht ihn zurück.

Nicht aggressiv.

Nur weit genug.

„Name?"

„Was?"

„Vom Delfin."

Pause.

Der DJ:

„Der hat keinen Namen."

Phanti schaut zu Chris.

Chris schüttelt langsam den Kopf.

„Schwierig."

— „Gebt das Ding her."

Der Ton verändert sich.

Nur leicht.

Aber genug.

Phanti hört auf zu grinsen.

Chris auch.

— Bis hierher war es ein Witz.

Jetzt entscheidet der Mann selbst, ob es einer bleibt.

— Chris legt beide Hände auf den Tisch.

Ruhig.

„Ist deiner."

Der DJ nickt.

„Sag ich doch."

Chris:

„Dann nimm ihn."

Phanti sieht zu Chris.

Keine Einwände.

Der DJ greift danach.

Chris lässt los.

— Eigentlich könnte es hier vorbei sein.

Wäre wahrscheinlich sogar vernünftig.

Der DJ steckt den Delfin halb in seine Bauchtasche.

Das Tier ragt mit dem Kopf heraus.

Phanti sieht hin.

Chris sieht hin.

Beide versuchen es.

Wirklich.

— Phanti verliert zuerst.

„Der hat angerufen."

Der DJ:

„Wer?"

„Dein Delfin."

Chris schaut zur Seite.

Zu spät.

— „Was laberst du?"

Phanti:

„Er will aus dem Bauchfaltenschutzprogramm."

Chris dreht sich weg.

Ein kurzes Geräusch.

Er lacht.

Der DJ nicht.

— „Sehr lustig."

Phanti:

„Fand er auch."

„Wer?"

Chris, ohne sich umzudrehen:

„Der Delfin."

— Das ist der Punkt, an dem sich etwas verschiebt.

Nicht weil der Mann gefährlich wird.

Wird er nicht.

Nicht weil jemand droht.

Tut niemand.

Sondern weil er beschließt, dass er jetzt zurückschießen muss.

Und dabei den falschen Bereich auswählt.

— „Ihr zwei seid doch diese Rapper."

Chris dreht sich wieder um.

Phanti:

„Schlechte Recherche."

Der DJ zeigt auf Chris.

„Du bist dieser Bergtyp."

Chris:

„Unter anderem."

„Mit diesem Jodelscheiß."

Chris nickt.

„Der."

Der Mann lacht.

„Und jetzt macht ihr hier einen auf wichtig?"

Chris sieht zu Phanti.

Phanti sieht zu Chris.

Da ist keine Absprache.

Brauchen sie nicht.

— Chris:

„Du läufst mit einem Plastikdelfin in der Bauchtasche herum."

Pause.

„Lass uns das mit wichtig vielleicht vertagen."

— Ein paar Leute in der Nähe hören inzwischen zu.

Der DJ bemerkt es.

Natürlich.

Sein Grinsen wird breiter.

„Bruder, die Leute feiern das."

Chris:

„Glaub ich."

„Jede Woche voll."

„Glaub ich auch."

„Dann kann's ja nicht so scheiße sein."

— Da ist er wieder.

Der Satz.

Andere Form.

Gleiche Mechanik.

Menschen kommen.

Also stimmt es.

Menschen feiern.

Also ist Kritik erledigt.

Zahlen als Urteil.

Chris spürt, wie vertraut ihm das vorkommt.

Aber diesmal muss er darüber nicht nachdenken.

Nicht lange.

— „Hat keiner gesagt", antwortet Chris.

Der DJ blinzelt.

„Was?"

„Dass es keiner feiern darf."

„Aber ihr macht euch lustig."

Phanti:

„Auch das darf man."

— Der DJ sieht ihn an.

„Und wer bist du überhaupt?"

Phanti lehnt sich etwas zurück.

„Phanti."

„Noch nie gehört."

„Überleb ich."

— Chris muss grinsen.

Der DJ schaut wieder zu ihm.

„Und du lässt den für dich reden?"

Das Grinsen verschwindet.

Nicht bei Phanti.

Bei Chris.

— „Nein."

Nur das.

— Der DJ wartet.

Chris auch.

Phanti sagt nichts.

Zum ersten Mal seit Beginn des Gesprächs.

— „Dann sag doch selber was."

Chris schaut auf die Bauchtasche.

Der Delfin schaut heraus.

Perfektes Bild.

Fast unfair.

Chris:

„Okay."

— Er zeigt darauf.

„Du hast einen Fake-Delfin in deiner Bauchtasche."

Ein paar Leute lachen.

Der DJ schaut kurz nach unten.

Fehler.

Chris macht weiter.

„Du nennst dich König."

Phanti:

„Krone fehlt."

Chris:

„Die liegt in unserem Kofferraum."

Phanti:

„Mit Preisschild."

Mehr Gelächter.

— Der DJ hebt beide Hände.

„Wow. Comedy."

Chris:

„Du hast gefragt."

— Phanti lehnt sich vor.

Jetzt verändert sich seine Stimme.

Nicht lauter.

Im Gegenteil.

Ruhiger.

„Weißt du, was das Problem ist?"

Der DJ:

„Jetzt bin ich gespannt."

„Du glaubst, wir lachen über Party."

„Tut ihr doch."

„Nein."

Phanti zeigt auf den Delfin.

„Wir lachen über den Delfin."

Chris:

„Sehr konkret sogar."

— Phanti:

„Party ist völlig okay."

Chris:

„Unsinn auch."

Phanti:

„Sogar ausdrücklich."

Chris:

„Wir haben vierzehn Akten davon."

Der DJ:

„Was für Akten?"

Phanti:

„Längere Geschichte."

— Der Mann schüttelt den Kopf.

„Ihr seid schon bisschen hängen geblieben."

Chris:

„Möglich."

Phanti:

„Aber ohne Delfin."

— Das Publikum wächst.

Nicht viel.

Genug.

Telefone gehen hoch.

Chris sieht sie.

Früher hätte ihn das vielleicht gebremst.

Oder angespornt.

Heute macht es keinen Unterschied.

Das gefällt ihm.

— Der DJ merkt dagegen jedes einzelne Handy.

Seine Stimme wird größer.

„Ich mach wenigstens Stimmung."

Chris:

„Gut."

„Die Leute wollen genau das."

„Auch gut."

„Was ist dann euer Problem?"

Chris:

„Dass du seit fünf Minuten versuchst, uns zu erklären, warum wir dich gut finden müssen."

— Stille.

Kurz.

Sauber.

— Phanti sieht zu Chris.

Ein kleines Nicken.

Nicht Anerkennung.

Eher:

Jetzt sind wir da.

— Der DJ lacht.

Zu spät.

„Muss ich gar nicht."

Chris:

„Perfekt."

Phanti:

„Dann wären wir fertig."

— Sie könnten aufhören.

Wieder.

Der DJ könnte seinen Delfin nehmen und gehen.

Wieder.

Er tut es nicht.

Wieder.

— „Ihr Rapper seid alle gleich."

Phanti:

„Jetzt wird's wissenschaftlich."

„Immer diese Texte, als wärt ihr was Besseres."

Chris:

„Hat keiner gesagt."

„Ihr denkt doch, ihr seid Kunst."

Phanti:

„Ich denk gerade über Suppe nach."

— Der DJ stoppt.

„Was?"

Phanti:

„Pferdesuppe."

— Chris schaut ihn an.

„Wo kommt die jetzt her?"

Phanti:

„Von ihm."

„Ich hab nie was von Pferdesuppe gesagt", sagt der DJ.

Phanti:

„Noch schlimmer."

— Irgendjemand hinten ruft:

„PFERDESUPPE!"

Gelächter.

Der DJ dreht sich um.

„Halt die Fresse!"

Phanti sieht zu Chris.

Chris:

„Jetzt haben wir Nummer vier."

Phanti:

„Sag ich doch."

— Das hätte alles entschärfen können.

Stattdessen wird es schlimmer.

Oder besser.

Kommt auf die Perspektive an.

— Der DJ versucht, die Kontrolle zurückzuholen.

„Oh-ah!"

Zwei Leute antworten tatsächlich.

„Oh-ah!"

Er breitet die Arme aus.

Siehst du?

Der Blick sagt es.

Chris schaut zu Phanti.

Phanti schaut zu Chris.

Dann gleichzeitig:

„Oh."

Pause.

Phanti:

„Peinlich."

Chris:

„Ah."

Pause.

„Jetzt wird's kleinlich."

— Der Raum reagiert.

Nicht explosiv.

Dieses unangenehm gute Lachen, bei dem der Betroffene selbst entscheiden muss, ob er mitlacht.

Der DJ entscheidet sich dagegen.

— „What the fuck, Alter."

Phanti:

„Endlich erkannt."

— Chris schlägt mit der flachen Hand einmal auf den Tisch.

Nicht hart.

Nur weil er lachen muss.

„Okay."

Er zeigt auf Phanti.

„Der war gut."

Phanti:

„Danke."

— Der DJ zieht den Delfin aus der Tasche.

„Wisst ihr was?"

Phanti:

„Selten."

„Behaltet das Scheißding."

Er wirft ihn auf den Tisch.

Der Delfin rutscht über die Oberfläche und bleibt vor Chris liegen.

Quietsch.

Niemand hat ihn gedrückt.

Perfektes Timing.

— Chris sieht hinunter.

Dann zum DJ.

„Er hat sich entschieden."

Phanti nimmt den Delfin.

„Asylantrag genehmigt."

— Der DJ dreht sich weg.

Chris glaubt für einen Moment, das war's.

Dann dreht er sich wieder zurück.

„Macht doch 'nen Song drüber."

— Stille.

Phanti und Chris sehen sich an.

Diesmal dauert es länger.

Der DJ bemerkt es.

Sein Gesicht verändert sich.

Nur minimal.

Vielleicht versteht er gerade selbst, was er gesagt hat.

— Chris:

„Das war keine gute Idee."

Phanti:

„Überhaupt nicht."

— „Macht doch."

Der DJ breitet die Arme aus.

„Mal sehen, wer am Ende lacht."

Chris:

„Du willst wirklich, dass wir das machen."

„Ja."

Phanti:

„Mit Delfin?"

„Von mir aus."

Chris:

„Pferdesuppe?"

„Was für Pferdesuppe?!"

Phanti:

„Ist jetzt drin."

— Chris nimmt sein Telefon heraus.

Öffnet eine neue Notiz.

Phanti sieht es.

„Produzentengesicht."

Chris:

„Halt die Fresse."

— Er schreibt:

**Fake-Delfin.**

Darunter:

**Bauchtasche.**

Phanti:

„Plastikkrone."

Chris schreibt.

„Oh-Ah."

Schreibt.

„Pferdesuppe."

Chris hält inne.

„Ich weiß immer noch nicht, warum."

Phanti:

„Deshalb ist sie stark."

Chris schreibt.

— Der DJ steht noch da.

„Das ist euer Song?"

Chris:

„Noch nicht."

Phanti:

„Inventur."

— Chris schaut auf die Liste.

Dann auf den Mann.

„Du hast eigentlich erstaunlich viel Material dabei."

Phanti:

„Urlaubsprospekt mit Unfall."

Chris tippt.

„Der bleibt."

— Jetzt wird es schnell.

Nicht laut.

Schnell.

— Phanti:

„König im Namen."

Chris:

„Knecht der Tasche."

Phanti:

„Thron aus Plastik."

Chris:

„Hofstaat aus Flasche."

Beide stoppen.

Chris sieht ihn an.

Phanti:

„Das ist widerlich."

Chris:

„Ja."

„Behalten."

„Definitiv."

— Der DJ lacht unsicher.

„Ihr seid komplett bescheuert."

Phanti:

„Jetzt bitte nicht stören."

— Chris:

„Delfin guckt raus wie ein trauriger Zeuge."

Phanti:

„Als würde er sagen: Holt mich hier raus."

Chris:

„Zu lang."

Phanti:

„Machen wir kürzer."

— Die Leute um sie herum merken inzwischen, was passiert.

Das ist keine Diskussion mehr.

Sie bauen den Track vor seinen Augen.

Zeile für Zeile.

Nicht vorbereitet.

Nicht geplant.

Und mit jedem Satz wird der DJ weniger Gesprächspartner und mehr Material.

— Chris spürt etwas, das er lange nicht gespürt hat.

Nicht Wut.

Nicht Rechtfertigung.

Nicht dieses alte Bedürfnis, irgendjemandem etwas zu beweisen.

Es ist sportlicher.

Kälter.

Fast spielerisch.

Jemand hat die Tür geöffnet.

Jetzt gehen sie durch.

— Phanti:

„Deine Punchline macht Urlaub."

Chris:

„Meine macht Inventur."

Phanti:

„Scheiße."

Chris:

„Ja."

Phanti:

„Rein."

— Chris tippt schneller.

— Der DJ:

„Ihr glaubt echt, ihr könnt rappen."

Chris hört auf zu tippen.

Sieht hoch.

„Nein."

Der Mann grinst.

Chris:

„Wir wissen es."

— Phanti dreht langsam den Kopf zu Chris.

„Okay."

Chris:

„Was?"

„Jetzt bist du drin."

— Der DJ:

„Boah, wie arrogant."

Chris:

„Du hast dich vorhin König genannt."

Phanti:

„Mit Delfin."

Chris:

„In der Bauchtasche."

Phanti:

„Wir sind noch ziemlich weit von dir entfernt."

— Gelächter.

Der DJ greift nach seinem Getränk.

Leer.

Er schaut hinein.

Phanti:

„Symbolisch schwierig."

Chris:

„Nicht alles interpretieren."

Phanti:

„Stimmt."

— Dann kommt Geschwindigkeit.

Phanti wirft Begriffe.

Chris baut sie um.

Chris setzt Reime.

Phanti verschärft sie.

Einer beginnt einen Satz, der andere beendet ihn.

Nicht immer gut.

Nicht alles bleibt.

Aber plötzlich entsteht zwischen ihnen etwas, das Chris noch nicht kannte.

Nicht Phanti neben Chris.

Nicht Chris neben Phanti.

Eine gemeinsame Stimme.

— „Wellen?"

„Planschbecken."

„Taschen?"

„Zollbeamte."

„Pferd?"

„Suppe."

„Warum immer noch Suppe?"

„Nicht hinterfragen."

— Chris lacht.

„Kinderkanal."

Phanti:

„Unfall."

Chris:

„Das ist gemein."

Phanti:

„Er wollte den Song."

— Der DJ steht noch immer da.

Vielleicht aus Stolz.

Vielleicht weil Weggehen jetzt schlimmer wirken würde als Bleiben.

Chris respektiert das fast.

Fast.

— „Schreib mal was über euren Scheiß", sagt der DJ.

„Welchen?", fragt Chris.

„Dieses Keine-Zeugen-Ding."

Phanti sieht ihn an.

Nicht freundlich.

Nicht böse.

Einfach ruhig.

„Mach dir darüber keine Sorgen."

— Etwas an dem Satz verändert die Atmosphäre.

Nur kurz.

Chris bemerkt es.

Der DJ auch.

Zum ersten Mal wirkt Phanti nicht wie der Typ, der einen guten Spruch schneller findet als alle anderen.

Da ist etwas anderes.

Kontrolle.

Keine Show.

Keine Lautstärke.

Einfach die Sicherheit, dass er nicht jedes Blatt offenlegen muss.

— Der DJ schaut zu Chris.

Vielleicht erwartet er, dass Chris den Satz relativiert.

Tut er nicht.

— Chris steckt das Telefon ein.

„Wir haben genug."

Phanti:

„Mehr als genug."

Der DJ:

„War's das?"

Chris:

„Für jetzt."

— Phanti nimmt den Delfin.

Hält ihn vor sich.

„Noch eine Frage."

Der DJ verdreht die Augen.

„Was?"

Phanti:

„Willst du ihn wirklich nicht zurück?"

„Nein."

Phanti:

„Zeugen?"

Chris hebt die Hand.

Mehrere Leute ebenfalls.

Der DJ:

„Behaltet ihn!"

Phanti nickt.

„Sauber."

— Sie gehen.

Nicht dramatisch.

Keine Siegerpose.

Kein letzter Spruch.

Chris nimmt sein Telefon.

Phanti den Delfin.

Hinter ihnen beginnt die Musik wieder.

— Draußen bleibt Chris stehen.

„Das war neu."

Phanti:

„Was?"

„Wir."

Phanti schaut ihn an.

„Kennen uns schon länger."

„Du weißt, was ich meine."

Phanti:

„Leider."

— Chris öffnet die Notiz.

Liest.

Fake-Delfin.

Bauchtasche.

Plastikruhm.

Pferdesuppe.

Oh-Ah.

Planschbecken.

Restbier.

Flucht.

Er scrollt.

„Das ist brutal."

Phanti:

„Er wollte einen Song."

„Das macht es nicht besser."

„Doch."

— Chris schaut ihn an.

„Du hast richtig Spaß daran."

Phanti:

„Nein."

Pause.

„Bisschen."

— Sie gehen zum Auto.

Phanti öffnet den Kofferraum.

Akte eins.

Akte zwei.

Die Krone liegt noch da.

Der kaputte Stuhl ebenfalls.

Phanti legt den Delfin daneben.

Chris betrachtet die Kombination.

Plastikkrone.

Plastikdelfin.

Kaputter Thron.

Vierzehn Fundstücke.

— „Das sieht langsam aus wie ein Beweismittellager."

Phanti:

„Sag ich doch."

Chris:

„Du hast nie Beweismittellager gesagt."

„Hätte ich."

— Chris nimmt den Delfin noch einmal heraus.

„Der braucht ein Schild."

Phanti:

„Jetzt wirst du komisch."

Chris:

„SK-01."

Phanti:

„Warum SK?"

Chris denkt kurz nach.

„Keine Ahnung."

Phanti:

„Perfekt."

— Chris findet einen alten Anhänger.

Schreibt:

**FAKE-DELFIN**

und bindet ihn an die Flosse.

Phanti betrachtet das Ergebnis.

„Jetzt sieht er offiziell aus."

„Er ist ein Plastikfisch."

„Delfin."

„Säugetier."

Phanti:

„Jetzt nicht wissenschaftlich werden."

— Chris legt ihn zurück.

Phanti schließt den Kofferraum.

Dann stoppt er.

Öffnet ihn wieder.

Chris:

„Was?"

Phanti nimmt den Delfin erneut heraus.

„Foto."

— Sie legen ihn auf die Motorhaube.

Chris:

„Das wird immer dümmer."

Phanti:

„Dokumentation."

Chris macht das Bild.

Der Delfin liegt schief.

Im Hintergrund die Nacht.

Phanti schaut auf das Foto.

„Gut."

Chris:

„Was machen wir damit?"

Phanti:

„Archiv."

— Da ist das Wort wieder.

Diesmal klingt es anders.

Nicht wie ein Witz aus Akte eins.

Nicht vollständig.

— Chris:

„Flossenarchiv."

Phanti schaut hoch.

Pause.

Dann dieses kleine Grinsen.

„Flossenarchiv."

— Chris tippt den Titel über die Notizen.

Jetzt fehlt nur noch der Track.

Und der kommt.

— Nicht als lustige Erinnerung an einen Abend.

Nicht als weiterer Fall über jemanden, der seine Jacke sucht oder einen Stuhl zerstört.

Diesmal gehen sie rein.

Beide.

Phanti beginnt.

Chris übernimmt.

Dann wechseln sie.

Zeilen werden kürzer.

Reime dichter.

Der Ton härter.

Aus dem Fake-Delfin wird ein Zeuge.

Aus der Bauchtasche ein Tatort.

Aus der Plastikkrone ein Urteil über Plastikruhm.

Aus „Oh-Ah" wird kein Mitsingmoment mehr, sondern eine offene Flanke.

Pferdesuppe bleibt Pferdesuppe.

Niemand kann erklären, warum.

Gerade deshalb bleibt sie.

— Daniel hört die erste Version.

Er sagt lange nichts.

Dann:

„Das veröffentlicht ihr nicht."

Chris:

„Warum?"

Daniel:

„Weil ich euch kenne."

Phanti:

„Schlechtes Argument."

Daniel:

„Weil ich Anwälte kenne."

Chris:

„Besser."

— Nina hört sie danach.

Bei der Delfinzeile lacht sie.

Bei der Bauchtasche hört sie auf.

Bei der Plastikkrone sieht sie Chris an.

Beim schnellen Part lehnt sie sich zurück.

Dann endet der Track.

Stille.

— „Und?", fragt Chris.

Nina:

„Ihr habt beide einen Schaden."

Phanti:

„Kritik oder Freigabe?"

„Beides."

— Chris schaut zu Phanti.

Phanti zu Chris.

Keiner sagt es.

Aber beide wissen:

Das ist nicht mehr nur eine Sammlung absurder Nächte.

Hier ist gerade etwas passiert.

Zum ersten Mal steht **Phantompatron × Chris Crumb** nicht bloß als Kombination über einer Geschichte.

Man hört, warum.

— Der Track endet mit dem Delfin.

Natürlich.

Fake.

Aber sicher.

Die Suppe bleibt kalt.

Der Fall geschlossen.

— Später steht der Plastikdelfin tatsächlich in einer Kiste.

Anhänger an der Flosse.

Darunter eine neue Beschriftung:

**BEWEISMITTEL 03**

**FLOSSENARCHIV**

Chris liest sie.

„Wir werden irgendwann erklären müssen, was das alles soll."

Phanti:

„Nein."

„Nein?"

„Das ist der Vorteil von Akten."

Phanti schließt den Deckel.

„Man muss nicht jede öffnen."

— Chris schaut auf die Kiste.

Dann zu ihm.

„Und wenn jemand fragt, wer Phantompatron eigentlich ist?"

Phanti zieht die Jacke an.

„Dann sagst du die Wahrheit."

„Welche?"

Phanti öffnet die Tür.

„Keine Ahnung."

— Chris lacht.

Phanti geht raus.

Chris folgt.

Hinter ihnen bleibt der Delfin im Dunkeln.

Zum ersten Mal versteht Chris, warum der Name funktioniert.

Phanti muss nicht überall auftauchen.

Es reicht, wenn danach etwas fehlt.

Oder jemand eine Geschichte mehr hat.

— **Beweismittel drei.**

**Fake-Delfin.**

**FLOSSENARCHIV.**

**Akte 03 geschlossen.**

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