ÜBER DER BAUMGRENZE
Die Geschichte
„Noch zwei Stunden.“
Chris bleibt stehen.
„Was?“
Der Mann vor ihm dreht sich um.
Rucksack.
Wanderstöcke.
Sonnenbrille.
Das unangenehm gesunde Erscheinungsbild eines Menschen, der solche Wege freiwillig macht.
„Bis oben.“
Chris schaut den Weg entlang.
Dann zu Daniel.
Daniel schaut demonstrativ auf die Landschaft.
Chris:
„Du hast gesagt, das ist nicht weit.“
Daniel:
„Ist relativ.“
„Zu was?“
„Zum Tal.“
Chris zieht die Cap tiefer.
„Problem gelöst.“
—
Diesmal ist der Berg kein Ausweg.
Das ist wichtig.
Chris ist nicht hier, weil ihm etwas zu viel geworden wäre.
Kein abgeschaltetes Telefon.
Keine Flucht vor Nachrichten.
Keine spontane Gegenbewegung zum Betrieb.
Im Gegenteil.
Unten wartet eine Veranstaltung.
Weiter oben ebenfalls.
Dazwischen liegt ein Weg.
Und irgendjemand hatte die hervorragende Idee, einen Teil davon zu Fuß zurückzulegen.
Chris vermutet Daniel.
Daniel bestreitet es.
Damit ist die Sache praktisch bewiesen.
—
Nina ist weitergefahren.
Mit Gepäck.
Technik.
Und allem, was vernünftige Menschen nicht mehrere hundert Höhenmeter tragen.
Chris hat einen kleinen Rucksack.
Daniel auch.
Der Unterschied:
Daniel sieht aus, als hätte er das geplant.
Chris sieht aus, als wäre er falsch abgebogen.
—
„Warum machen wir das?“
Daniel:
„Du wolltest raus.“
„Ja.“
„Das ist raus.“
Chris schaut nach oben.
„Das ist vertikal.“
—
Der Weg führt zunächst durch Wald.
Noch.
Lärchen.
Fichten.
Schatten.
Feuchte Erde.
Wurzeln.
Zwischen den Stämmen sieht man immer wieder das Tal.
Mit jedem Stück etwas kleiner.
Chris läuft ruhig.
Kein Stress.
Kein Zieltempo.
Das hat er vom Grat mitgenommen.
Daniel offenbar nicht.
Der ist ständig zehn Meter voraus.
Chris:
„Fliehst du?“
Daniel dreht sich um.
„Ich laufe.“
„Aggressiv.“
—
Weiter oben werden die Bäume niedriger.
Nicht plötzlich.
Sie ziehen sich langsam zurück.
Erst stehen sie dichter.
Dann weiter auseinander.
Dann krumm.
Vom Wind gedrückt.
Einige sehen aus, als hätten sie seit Jahrzehnten schlechte Laune.
Chris bleibt vor einer kleinen Föhre stehen.
„Sepp als Baum.“
Daniel:
„Lass ihn da raus.“
Chris macht ein Foto.
Daniel:
„Du wolltest doch weniger fotografieren.“
Chris steckt das Handy ein.
„Ich wollte weniger müssen.“
Daniel bleibt kurz stehen.
Das sitzt.
Nicht schwer.
Nicht bedeutungsschwanger.
Einfach richtig.
„Okay.“
Sie gehen weiter.
—
Ein Paar kommt ihnen entgegen.
Die Frau erkennt Chris zuerst.
Das sieht man inzwischen.
Dieser kurze zweite Blick.
Dann der dritte.
Dann die Entscheidung, ob man etwas sagt.
Sie sagt etwas.
„Entschuldigung.“
Chris bleibt stehen.
„Ja?“
„Bist du Chris Crumb?“
Chris schaut an sich herunter.
Dann zu Daniel.
„Heute schon.“
Sie lacht.
Ihr Begleiter:
„Ich hab doch gesagt, dass er das ist.“
Chris:
„Glückwunsch.“
Der Mann:
„Sie hat gesagt, du wärst kleiner.“
Die Frau schlägt ihm gegen den Arm.
Chris nickt ernst.
„Gutes Gespräch.“
Daniel dreht sich weg.
Zu spät.
Er lacht.
—
Foto.
Kurzer Austausch.
Kein großes Ding.
Dann gehen beide weiter talwärts.
Chris sieht ihnen nach.
„Kleiner.“
Daniel:
„Vielleicht vom Tal aus.“
„Du bist heute wirklich keine Hilfe.“
—
Der Wald wird dünner.
Der Wind stärker.
Die Geräusche verändern sich.
Unten hatte jeder Schritt noch etwas Weiches.
Erde.
Nadeln.
Wurzeln.
Jetzt:
Stein.
Kies.
Schuhsohlen.
Wind.
Mehr nicht.
—
Dann stehen die letzten richtigen Bäume hinter ihnen.
Kein Schild.
Keine Linie.
Kein Tor.
Niemand sagt:
**Ab hier Baumgrenze.**
Es passiert einfach.
Chris dreht sich irgendwann um.
Und merkt, dass hinter ihm nur noch niedriger Bewuchs steht.
Weiter unten beginnt der Wald.
Vor ihm nicht mehr.
—
„Das war’s?“
Daniel:
„Was?“
„Baumgrenze.“
Daniel sieht zurück.
„Sieht so aus.“
Chris:
„Unspektakulär.“
„Soll ich Konfetti holen?“
Chris:
„Bitte nicht.“
—
Sie gehen weiter.
Und genau dort verändert sich der Raum.
Nicht wirklich.
Aber so fühlt es sich an.
Nichts steht mehr im Weg.
Kein Stamm.
Keine Krone.
Keine Wand aus Grün.
Der Blick läuft.
Über Geröll.
Über Fels.
Über die nächste Kante.
Bis in Himmel.
—
Chris bleibt stehen.
„Okay.“
Daniel:
„Was?“
„Jetzt versteh ich’s.“
„Was?“
Chris deutet nach vorn.
„Mehr Platz.“
Daniel wartet auf mehr.
Kommt nicht.
„Das war deine Erkenntnis?“
„Ja.“
„Stark.“
„Danke.“
—
Das Telefon hat Empfang.
Chris kontrolliert es nicht.
Auch das ist neu.
Es könnte klingeln.
Tut es sogar.
Einmal.
Er schaut nicht.
Daniel schon.
„Willst du nicht—“
Chris:
„Wenn’s brennt, rufst du.“
Daniel:
„Und wenn ich brenne?“
„Dann wird’s kompliziert.“
—
Weiter oben hören sie Musik.
Leise.
Chris bleibt stehen.
„Hörst du das?“
Daniel nickt.
Von irgendwo über ihnen.
Kein fertiger Song.
Ein Soundcheck.
Bass.
Trockene Percussion.
Dann ein kurzes Hackbrettmotiv.
Der Wind nimmt Teile davon mit.
Bringt andere zurück.
—
Chris grinst.
„Da sind wir.“
Daniel schaut nach oben.
„Noch nicht.“
Chris:
„Ruiniere den Moment nicht.“
—
Der Weg zieht um einen Felsvorsprung.
Jetzt sieht man weiter oben Teile der Konstruktion.
Eine kleine Bergstation.
Technik.
Ein paar Fahrzeuge.
Menschen.
Keine riesige Festivalfläche.
Noch nicht.
Aber eindeutig Produktion.
—
Dann kommt der Jodel.
Nur eine Stimme.
Weit oben.
„Hol-la-re-i.“
Der Wind trägt sie seitlich weg.
Chris bleibt stehen.
Antwortet.
„Hol-la-re-i!“
Daniel schaut ihn an.
„Musst du?“
Chris:
„Ja.“
Ein paar Sekunden.
Dann von oben:
„HOL-LA-RE-I!“
Chris breitet die Arme aus.
„Kommunikation.“
Daniel:
„Wir haben Telefone.“
„Primitive Technik.“
—
Beim nächsten Ruf antworten mehrere.
Crew vermutlich.
Vielleicht Gäste.
Vielleicht Leute, die längst wissen, dass Chris hochkommt.
Die Stimmen sind weit auseinander.
Der Berg macht keinen sauberen Chor daraus.
Er verteilt sie.
Eine links.
Eine höher.
Eine zurück.
Echo.
Wind.
Entfernung.
—
Chris ruft noch einmal.
Diesmal kommt die Antwort von unten.
Er dreht sich um.
Das Paar von vorhin.
Sehr klein inzwischen.
Der Mann hebt beide Arme.
„HOL-LA-RE-I!“
Chris lacht.
„Der mit der Körpergröße.“
Daniel:
„Du trägst Dinge lange.“
„Prinzipien.“
—
Weiter.
Der Weg wird steiniger.
Chris rutscht einmal leicht.
Fängt sich.
Daniel dreht sich um.
„Alles gut?“
„Niemand hat’s gesehen.“
„Ich.“
Chris:
„Niemand Relevantes.“
—
Ein paar Meter später rutscht Daniel.
Nicht stark.
Aber eindeutig.
Chris bleibt stehen.
Keine Regung.
Daniel richtet sich auf.
„Sag nichts.“
Chris:
„Ich genieße.“
—
Oben kommt ihnen ein Mitarbeiter entgegen.
Funkgerät an der Jacke.
Er erkennt Chris sofort.
Natürlich.
„Servus. Wir warten schon.“
Chris:
„Das klingt vorwurfsvoll.“
„War nicht so gemeint.“
Daniel:
„Er hört das inzwischen überall.“
Der Mann zeigt weiter hoch.
„Noch ein Stück.“
Chris:
„Wie viel ist ein Stück?“
Der Mitarbeiter überlegt.
Fehler.
Chris sieht es.
„Sag nichts.“
—
Die Station wird größer.
Menschen bewegen sich zwischen Cases und Absperrungen.
Ein Generator läuft.
Kabel liegen über Metallbrücken.
Weiter hinten steht eine Bühne.
Nicht mitten im Tal.
Nicht in einer Halle.
Hier oben.
Offen.
Über den letzten Bäumen.
—
Chris bleibt an der Kante des Geländes stehen.
Unter ihm Wald.
Weiter unten Straßen.
Noch weiter unten Stadt.
Dort brennt wieder Licht.
Wie im letzten Kapitel seines Lebens, denkt er.
Dann schüttelt er über den Gedanken den Kopf.
„Furchtbar.“
Daniel:
„Was?“
„Nichts.“
—
Nina kommt ihnen entgegen.
„Da seid ihr.“
Chris:
„Offensichtlich.“
Sie sieht auf seine Schuhe.
„Ihr seid wirklich gelaufen.“
Daniel:
„Ja.“
Nina:
„Warum?“
Chris zeigt auf Daniel.
Daniel gleichzeitig auf Chris.
Nina:
„Natürlich.“
—
Backstage ist diesmal ein Container.
Heizung.
Kaffee.
Essen.
Chris sieht den Tisch.
„Jetzt wird’s professionell.“
Nina:
„Du bist leicht zu beeindrucken.“
Chris:
„Essen ist Kultur.“
—
Draußen läuft der Soundcheck weiter.
Der Track hat etwas Federndes.
Nicht die massive Wucht von Gipfelstrom.
Nicht das gemeinsame Gewicht vom Lawinenchor.
Mehr Bewegung.
Holz.
Bass.
Hackbrett.
Luft dazwischen.
Als würde der Song selbst mehr Platz bekommen, je weniger Landschaft ihn begrenzt.
Chris hört eine Weile zu.
Dann:
„Jodel weiter auseinander.“
Der Produzent:
„Wie?“
Chris zeigt über den Hang.
„Nicht alles Mitte.“
Kurze Pause.
„Links. Rechts. Weiter hinten. Als würden die Antworten irgendwo vom Berg kommen.“
Der Produzent nickt.
„Kann ich bauen.“
Chris:
„Nicht zu sauber.“
„Natürlich.“
„Wenn’s perfekt klingt, ist es falsch.“
Daniel von hinten:
„Unser Geschäftsmodell.“
—
Beim Soundcheck steht Chris allein auf der Bühne.
Vor ihm noch keine Menschen.
Nur Absperrungen.
Fels.
Himmel.
Und darunter das Tal.
Er nimmt das Mikrofon.
Erster Ruf.
Links kommt eine Antwort.
Zweiter.
Weiter rechts.
Dritter.
Noch weiter hinten.
Der Raum wird Teil des Arrangements.
—
Chris:
„Mehr Abstand.“
Noch einmal.
Jetzt wirkt es, als würden die Stimmen nicht aus Lautsprechern kommen.
Sondern irgendwo aus der Landschaft.
Chris grinst.
„Genau.“
—
Der Techniker:
„Noch was?“
Chris schaut über den Hang.
„Mehr Bass.“
Daniel:
„Natürlich.“
—
Später füllt sich das Gelände.
Nicht schlagartig.
Menschen kommen mit Bahn.
Zu Fuß.
Über Wege.
Kleine Gruppen werden größere.
Jacken.
Caps.
Rucksäcke.
Einige sehen aus, als wären sie wegen der Musik hier.
Andere, als wären sie zufällig in etwas hineingeraten.
Chris mag beide Sorten.
—
Ein älterer Mann steht beim Catering und sieht Chris an.
Lange.
Chris wartet auf die Frage.
Der Mann:
„Bist du der Musiker?“
Chris:
„Einer davon.“
„Was machst du?“
„Rap.“
Der Mann nickt.
Dann:
„Und das Jodeln?“
Chris:
„Leider auch.“
Der Mann:
„Gut.“
Chris:
„Gut?“
„Meine Frau findet’s furchtbar.“
Chris nickt anerkennend.
„Qualitätssiegel.“
—
Die Show beginnt.
Über den letzten Bäumen.
Keine Decke.
Keine Hallenwand.
Kein beschlagenes Fenster.
Der Sound läuft raus.
Und verschwindet irgendwo im offenen Raum.
Aber die Menschen holen ihn zurück.
—
Bergbeben.
Echojäger.
Alm auf Anschlag.
Gipfelstrom.
Lawinenchor.
Kein Empfang.
Talwärts.
Jeder Song trägt inzwischen etwas mit.
Einen Witz.
Eine Erinnerung.
Einen Ruf.
Ein Regal.
Ein Gewitter.
Eine Bank.
Die Leute kennen nicht nur Musik.
Sie kennen langsam die Geschichte darum.
Und Chris merkt, dass genau das alles zusammenhält.
—
Dann **Über der Baumgrenze**.
Der Groove setzt ein.
Trocken.
Federnd.
Holz gegen Bass.
Hackbrett gegen Elektronik.
Nicht als Kampf.
Als Sprache.
—
Chris geht nach vorne.
„Wir sind jetzt offiziell da, wo die Bäume aufgegeben haben.“
Jubel.
Von irgendwo:
„DIE WAREN ZU KLEIN!“
Chris stoppt.
Daniel verschwindet seitlich lachend aus seinem Blick.
Chris schaut in die Menge.
„Wer war das?“
Keine Antwort.
„Feigling.“
—
Der Track läuft weiter.
Jodel links.
Antwort rechts.
Noch eine Stimme weiter hinten.
Dann Publikum.
Die räumliche Idee funktioniert live besser als beim Soundcheck.
Weil die Leute sie sofort kapieren.
—
Chris ruft nach links.
Antwort.
Nach rechts.
Antwort.
Nach hinten.
Antwort.
Dann dreht er sich zum Berg.
„Und du?“
Nichts.
Chris wartet.
Wind.
„Schwach.“
Die Crowd lacht.
Dann kommt von irgendwo oberhalb der Station tatsächlich ein Ruf.
„HOL-LA-RE-I!“
Der ganze Platz dreht sich.
Chris auch.
Keine Ahnung, wer es war.
Perfekt.
—
Der Song zieht weiter.
Nicht maximal laut.
Aber frei.
Das ist das Wort.
Frei.
Nicht im pathetischen Sinn.
Einfach weniger begrenzt.
Mehr Luft zwischen den Dingen.
Mehr Raum für Antwort.
—
Chris sieht über die Menge hinweg.
Hinter ihr beginnt direkt Landschaft.
Keine Rückwand.
Kein schwarzer Vorhang.
Menschen und dahinter Berg.
Es sieht aus, als wäre die Veranstaltung nur vorübergehend hier abgestellt worden.
Morgen steht wieder nur der Hang da.
Auch das gefällt ihm.
—
Bei der letzten Hook übernimmt die Menge.
Natürlich.
Chris lässt sie.
Der Jodel wandert.
Vorne.
Links.
Rechts.
Hinten.
Dann irgendwo weiter oben.
Keine perfekte Synchronität.
Viel besser.
—
Nach dem Track atmet Chris aus.
Nicht erschöpft.
Nur zufrieden.
Er sieht ins Tal.
Dann zur Crowd.
„Okay.“
Pause.
„Runter müssen wir später trotzdem.“
Daniel ruft von der Seite:
„Bahn.“
Chris dreht sich zu ihm.
„Jetzt sagst du das?“
—
Nach der Show ist die Bergstation voll.
Fotos.
Gespräche.
Crew.
Menschen warten auf die letzte Bahn.
Chris steht mit Daniel etwas abseits.
„Es gab eine Bahn.“
Daniel:
„Ja.“
„Die ganze Zeit.“
„Ja.“
„Und wir sind gelaufen.“
Daniel:
„Du wolltest raus.“
Chris sieht ihn an.
„Ich werde dich irgendwann ersetzen.“
Daniel:
„Wem?“
Chris schweigt.
Verdammt.
—
Die Bahn fährt schließlich talwärts.
Chris sitzt am Fenster.
Unter ihnen verschwinden Fels und offene Fläche.
Dann kommen die ersten krummen Bäume.
Dann mehr.
Dann Wald.
—
Er schaut hinaus.
Beim Hochweg hatte die Grenze fast unsichtbar gewirkt.
Jetzt erkennt er sie sofort.
Nicht als Linie.
Als Veränderung.
Oben Weite.
Unten Schutz.
Beides hat etwas.
—
Daniel sitzt gegenüber.
Telefon in der Hand.
„Gute Show.“
Chris:
„Ja.“
„Clip läuft schon.“
Chris:
„Natürlich.“
Daniel dreht das Display.
Ein Ausschnitt.
Chris auf der Bühne.
Hinter ihm Berg.
Dann sein Ruf:
„Und du?“
Stille.
Chris:
„Schwach.“
Und aus der Ferne die Antwort.
Der Clip endet genau dort.
Chris lacht.
„Wer war das eigentlich?“
Daniel:
„Keine Ahnung.“
„Finden wir’s raus?“
Daniel:
„Kann ich.“
Chris denkt kurz nach.
„Nee.“
Daniel steckt das Telefon weg.
—
Unter ihnen werden die Lichter größer.
Das Netz bleibt stabil.
Nachrichten kommen rein.
Chris liest ein paar.
Beantwortet zwei.
Lässt fünf liegen.
Keine Wissenschaft mehr daraus.
—
Die Bahn fährt weiter.
Chris sieht die letzten offenen Hänge verschwinden.
Dann nur noch Bäume.
Er weiß jetzt, dass er jederzeit wieder hochkann.
Nicht als Flucht.
Nicht als Therapie.
Einfach weil es dort oben gut ist.
Und dass er genauso gern wieder runterkommt.
—
Daniel:
„Nächster Termin ist größer.“
Chris:
„Wie groß?“
Daniel nennt eine Zahl.
Chris hebt die Augenbrauen.
„Okay.“
„Problem?“
Chris schaut ins Tal.
Lichter.
Straßen.
Menschen.
Dann zurück zu Daniel.
„Nein.“
Kurze Pause.
„Aber diesmal fahren wir.“
Daniel:
„Deal.“
—
Die Gondel gleitet weiter nach unten.
Hinter ihnen bleibt die Baumgrenze zurück.
Vor ihnen wird das Licht dichter.
Und Chris merkt:
Der entscheidende Unterschied liegt inzwischen nicht mehr darin, ob er oben oder unten ist.
Sondern darin, dass er beides betreten und wieder verlassen kann, ohne sich selbst irgendwo zurückzulassen.
Noch funktioniert das.
Sehr gut sogar.
Und genau deshalb kann es jetzt wieder größer werden.
—
