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OFFENE POSTEN · KAPITEL 4

Keine Unterschrift

Keine Unterschrift

Nora hatte das Haus gekauft. Der Übergang stand kurz bevor. Die Bar im Erdgeschoss war nicht ihr einziger Mieter, aber der schwierigste. Karl schuldete der bisherigen Eigentümerin mehrere Monatsmieten. Ob er bleiben konnte, hing davon ab, ob eine neue Vereinbarung zustande kam.

„Sie übernehmen seine Schulden?“, fragte Chris.

„Nein.“

„Sie zahlen sie?“

„Nein.“

Nora setzte den Ordner auf. Darin standen die Kosten eines Betriebs, den Chris bislang nur von Abenden kannte. Personal, Versicherung, Getränke, Strom, eine Wartung, deren Termin überzogen war. Die Zahlen waren nicht spektakulär. Gerade deshalb glaubte er ihnen zunächst.

„Herr Weber hat mich gebeten, bei den Gesprächen zu helfen“, sagte Nora. Es war das erste Mal, dass Karl an diesem Tisch einen Nachnamen bekam. „Ich muss entscheiden, ob ich ihm einen neuen Mietvertrag anbieten kann. Wenn Altforderungen den Betrieb unmittelbar wieder blockieren, hilft das niemandem.“

„Und deshalb soll ich mein Geld verschenken.“

„Sie müssen gar nichts.“

Karl lehnte sich nach vorn. „Chris, wir kennen uns doch.“

Chris betrachtete die Verzichtserklärung. Neben der Stelle für die Unterschrift hatte jemand ein kleines Kreuz gesetzt. Nicht Nora. Die Striche sahen aus wie Karls Handschrift, ein zu langer unterer Arm.

„Du hast das schon vorbereitet.“

„Man wird doch noch miteinander reden können.“

Chris fragte nach den anderen Gläubigern. Karl sagte, das sei vertraulich. Nora erklärte, sie könne keine Angaben über fremde Forderungen machen. Beides klang vernünftig. Nur sollte Chris eine Entscheidung treffen, deren Nutzen sich auf diese unsichtbaren anderen stützte.

Er faltete das Blatt einmal.

„Ich unterschreibe heute nichts.“

Karl griff nach dem Papier. Chris ließ es los. Er hätte es mitnehmen können. Er hatte die Art des Angebots verstanden.

Nora schloss den Ordner. „Was wäre für Sie vorstellbar?“

„Eine Rückzahlung.“

Karl stieß Luft durch die Nase aus. Zu leise für ein Lachen, zu hörbar für etwas anderes.

Beim Hinausgehen sah Chris eine Mappe auf dem Tresen. Auf dem Deckel stand Freitag. Darunter waren Namen aufgelistet. Seiner trug bereits einen Haken.

Er blieb stehen.

Nora kam hinter ihm aus dem Raum. Sie sah auf die Mappe und nahm sie mit.

„Der Haken bedeutet, dass das Gespräch stattgefunden hat“, sagte sie.

„Gut“, sagte Chris. „Dann schreiben Sie das dazu.“

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