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ZWISCHEN JETZT UND SPÄTER · KAPITEL 10

Kapitel 9

Kapitel 9

In dieser Nacht schlief er schlecht. Nicht traurig. Wach. Er dachte an seine Oma. An seinen Opa. An den Mann auf dem alten Foto. An Menschen, die ihn getragen hatten. An Menschen, die er getragen hatte. An jene, denen er vielleicht nicht deutlich genug gesagt hatte, was sie ihm bedeuteten.

Dann dachte er an etwas, das ihm unangenehm war:

Vielleicht war er selbst für irgendjemanden bereits eine solche Erinnerung. Nicht irgendwann. Jetzt. Vielleicht gab es einen Menschen, der sich später einmal an irgendeinen vollkommen belanglosen Abend mit ihm erinnern würde. An einen dummen Witz. Eine Autofahrt. Ein Gespräch. Eine Nachricht.

Vielleicht würde jemand Jahre später ein Lied hören und für drei Minuten wieder in diesem Augenblick stehen. Wir wissen nie, in welchen Erinnerungen anderer Menschen wir gerade leben. Dieser Gedanke ließ Chris nicht los. Denn damit veränderte sich die Frage.

Es ging nicht mehr nur darum:

**Was bleibt mir?**

Sondern:

**Was lasse ich zurück?**

Nicht Geld. Nicht Reichweite. Nicht irgendeine Zahl unter einem Namen. Was bleibt von einem Menschen in einem anderen Menschen? Vielleicht ein Satz. Vielleicht Mut. Vielleicht eine schlechte Angewohnheit. Vielleicht die Art, wie jemand lacht. Vielleicht die Gewissheit, einmal nicht allein gewesen zu sein. Vielleicht eine Melodie.

Vielleicht eine Zeile, die ein Fremder nachts hört, genau in dem Moment, in dem er sie braucht. Nicht um sein ganzes Leben zu verändern. Das wäre zu viel verlangt von einer Zeile. Aber vielleicht reicht sie für den nächsten Morgen. Manchmal ist der nächste Morgen genug.

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