Kapitel 6
Dankbarkeit kam später. Nicht die schöne. Nicht die mit Sonnenuntergängen und Kalendersprüchen. Eine unbequemere. Chris war nicht dankbar für alles, was passiert war. Manche Dinge waren beschissen gewesen. Punkt. Man muss einer Wunde keinen Sinn erfinden, damit sie verheilen darf. Er war auch nicht dankbar für jeden Menschen, der ihn verletzt hatte.
Nicht jede Enttäuschung war eine Lektion. Manchmal war eine Enttäuschung einfach eine Enttäuschung. Aber er war dankbar dafür, was trotzdem geblieben war. Das war ein Unterschied. Er hatte Menschen verloren und andere gefunden. Er hatte Dinge falsch gemacht und trotzdem neue Möglichkeiten bekommen. Er hatte Zeit verschwendet und trotzdem noch Zeit.
Vielleicht war Dankbarkeit keine Behauptung, dass alles gut gewesen sei. Vielleicht war sie die Fähigkeit, zwischen den Trümmern zu erkennen, was noch stand. Chris brauchte kein perfektes Leben, um zu wissen, was seines wert war. Dieser Gedanke traf ihn unerwartet. Weil er so einfach war.
Und weil er ihn zwanzig Jahre früher wahrscheinlich für kitschig gehalten hätte.