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ZWISCHEN JETZT UND SPÄTER · KAPITEL 2

Kapitel 1

Kapitel 1

Es war weit nach Mitternacht, als Chris die Nachricht wieder sah.

Der Tag hatte sich in Kleinigkeiten aufgelöst. Arbeit. Musik. Ein paar Telefonate. Irgendetwas gesucht, etwas anderes vergessen. Gegessen hatte er auch, glaubte er zumindest.

So verschwinden Tage. Nicht mit einem Schlussakkord. Sie werden einfach weniger, bis irgendwann der nächste angefangen hat. Chris saß vor dem Rechner. Auf dem Bildschirm lief eine Aufnahme. Vier Schläge, dann setzte etwas ein, das ihm nicht gefiel. Er stoppte. Zurück. Noch einmal. Eins. Zwei. Drei. Vier. Stopp. Er lehnte sich zurück.

Früher hatte er geglaubt, das Leben funktioniere genauso. Man müsse nur den Takt finden. Schule. Arbeit. Vernünftig werden. Sich etwas aufbauen. Die richtigen Entscheidungen treffen. Nicht zu früh. Nicht zu spät. Möglichst nicht auffallen, wenn man noch nicht wusste, wohin mit sich. Es gab für alles einen Zeitpunkt, den andere erstaunlich genau zu kennen schienen.

Nur Chris hatte ihn regelmäßig verpasst. Oder absichtlich ignoriert. Heute konnte er darüber lächeln. Damals nicht.

Damals hatte es Jahre gegeben, in denen er überzeugt gewesen war, mit ihm stimme etwas nicht, weil sein Leben nicht dort stand, wo es nach Meinung anderer hätte stehen sollen.

Bis er irgendwann verstand, dass man auch pünktlich am falschen Ort ankommen kann. Auf dem Bildschirm blinkte der Cursor. Vier Schläge. Chris setzte einen fünften dahinter. Nur aus Neugier. Plötzlich funktionierte die Stelle. Er hörte sie dreimal. Dann nahm er das Telefon. Die Nachricht war noch da.

**Meld dich mal, wenn du Zeit hast.**

Sein Daumen schwebte über dem Namen. Zu spät jetzt, dachte er. Morgen. Er legte das Telefon wieder hin.

In Verbindung bleiben.