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OFFENE POSTEN · KAPITEL 8

Die Reihenfolge

Die Reihenfolge

Leon hatte sechshundert Euro angeboten bekommen. Seine Werkzeuge sollte er an diesem Tag noch abholen. Bei künftigen Veranstaltungen werde zunächst jemand anderes eingesetzt.

Chris schickte ihm nicht den Screenshot. Er las den eigenen Vorschlag vor.

Am anderen Ende blieb es still.

„Warum dir mehr?“, fragte Leon schließlich.

Chris hatte mehrere Antworten vorbereitet. Höhere Forderung. Persönliches Darlehen. Andere Art von Anspruch. Nora hätte jede davon sachlich vortragen können. Keine erklärte das Verhältnis der beiden Angebote vollständig.

Leon war kaum online. Er machte gute Arbeit und stellte Rechnungen. Chris konnte einen Satz schreiben, den mehrere tausend Menschen am selben Abend lasen.

„Ich weiß es nicht“, sagte Chris.

Er schämte sich, weil das nur halb stimmte.

Leon sagte, er werde vielleicht die sechshundert nehmen. Er hatte eine Werkstattmiete zu bezahlen. Die Hälfte der offenen Summe betraf Material, das er selbst gekauft hatte.

„Du musst nicht für mich warten“, sagte Chris.

„Ich warte nicht für dich.“

Sie vereinbarten ein Treffen am Abend. Leon würde zwei weitere Leute fragen, die ebenfalls auf Geld warteten. Nur wenn sie selbst kommen wollten.

Chris schrieb Karl, dass er den Vorschlag nicht annahm. Er werde die Angelegenheit vorerst nicht öffentlich machen. Das ändere nichts an seiner Forderung.

Karl antwortete fast sofort.

Dann beschwer dich nicht, wenn am Ende nichts bleibt.

Chris legte das Telefon auf den Tisch. Er merkte, dass seine Hand zitterte. Nicht stark. Genug, um das Glas daneben erst mit beiden Händen hochzunehmen.

Es wäre einfacher gewesen, den Satz zu veröffentlichen. Ein Ausschnitt, sein Name darunter, die passenden Leute hätten gewusst, was sie zu denken hatten. Karl hatte ihm dafür beinahe die Vorlage geschickt.

Er öffnete keine App.

Er holte die ursprüngliche Bestätigung der Überweisung heraus und druckte sie aus. Eine Seite. Darauf stand weniger, als er erzählen wollte, und alles, was er vorerst brauchte.

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