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RESTBIERAKTEN · KAPITEL 5

BAUCHTASCHENZEUGE

Bauchtaschenzeuge – Original-Artwork auf SoundCloud

BAUCHTASCHENZEUGE

Die Geschichte

Großer Auftritt.

Kleine Tasche.

Phanti sieht erst den Mann.

Dann die Tasche.

Dann wieder den Mann.

„Passt irgendwie."

Chris folgt seinem Blick.

Schwarze Bauchtasche.

Sauber mittig getragen.

Reißverschluss geschlossen.

Nicht spektakulär.

Eigentlich das Unauffälligste an ihrem Besitzer.

Das wird sich ändern.

— Der Mann betritt den Laden, als hätte er vorher kontrolliert, ob auch wirklich alle da sind.

Dunkle Brille.

Breiter Schritt.

VIP-Bändchen.

Kurzer Blick durch den Raum.

Dann die erste Runde.

Nicht zur Bar.

Durch den Laden.

Chris beobachtet ihn.

„Sucht der jemanden?"

Phanti:

„Publikum."

— Beim ersten Durchgang passiert wenig.

Beim zweiten hebt irgendwo jemand ein Handy.

Sofort wird der Schritt langsamer.

Chris sieht es.

Phanti auch.

„Gefunden."

— Der Mann begrüßt jemanden.

Fester Handschlag.

Schulterkontakt.

„Mein Bruder!"

Der andere lächelt etwas überrascht.

„Servus."

„Wie läuft's?"

„Gut."

Pause.

Der Mann mit der Bauchtasche:

„Wie war noch mal dein—"

Er fängt den Satz rechtzeitig ab.

„—alles gut bei dir?"

Der andere nickt.

„Ja."

„Perfekt."

Weiter.

— Chris:

„Elegant."

Phanti:

„Training."

— Nächster Handschlag.

„Ah! Da ist er!"

„Hey."

„Alles fit?"

„Ja."

„Stark, stark."

Der Mann geht weiter.

Chris:

„Name?"

Phanti:

„Optional."

— Beim dritten funktioniert es nicht.

„Patrick!"

Der Angesprochene:

„Timo."

Keine Pause.

„Ich weiß."

Chris dreht sich langsam zu Phanti.

Phanti:

„Natürlich."

— Es wäre leicht, sich darüber lustig zu machen.

Vielleicht zu leicht.

Nach dem König mit Plastikkrone interessiert Chris die reine Pose weniger.

Menschen stellen sich dar.

Menschen übertreiben.

Menschen bauen Figuren.

Er hat selbst lange genug auf Bühnen gestanden, um zu wissen, dass Darstellung nicht automatisch Lüge bedeutet.

Aber dieser Mann scheint etwas anderes zu betreiben.

Er sammelt Nähe.

Nicht Menschen.

Nähe.

Zu jedem ein Handschlag.

Zu jedem eine Geschichte.

Zu jedem irgendeine Verbindung.

Und wenn keine existiert, wird eben eine gebaut.

— „Ich kenn hier jeden."

Der Satz fällt zum ersten Mal an der Bar.

Phanti sieht zu Chris.

Chris hebt nur kurz die Braue.

Noch nichts.

— „Der Besitzer ist ein guter Freund."

Phanti:

„Aha."

Der Mann hört ihn.

„Kennst du ihn auch?"

Phanti:

„Vielleicht."

„Wie vielleicht?"

„Kommt drauf an, wer der Besitzer ist."

— Der Mann lacht.

„Du bist lustig."

Phanti:

„Gelegentlich."

— Chris stellt sich daneben.

Der Mann erkennt ihn.

Oder glaubt es zumindest.

„Chris!"

Chris:

„Ja."

„Bruder."

Chris wartet.

Der Mann öffnet die Arme.

Chris gibt ihm die Hand.

Mehr nicht.

„Lange nicht gesehen."

Chris:

„Wann zuletzt?"

— Eine Sekunde.

Nicht viel.

Aber Chris sieht sie.

Phanti auch.

— „Bei …"

Der Mann sucht.

„… dieser Sache."

Chris:

„Ah."

Der Mann nickt erleichtert.

„Genau."

Chris:

„Welche?"

— Phanti dreht sich weg.

Seine Schultern bewegen sich.

— Der Mann lacht.

„Du weißt doch."

Chris:

„Nein."

„Egal."

Er klopft Chris auf die Schulter.

„Aber stark, was du machst."

„Danke."

„Verfolg ich alles."

Chris:

„Lieblingstrack?"

— Phanti hustet.

Sehr künstlich.

— Der Mann:

„Der neue."

Chris:

„Welcher?"

„Der aktuelle."

„Wie heißt der?"

— Pause.

Dann:

„Bruder, ich bin schlecht mit Namen."

Chris nickt.

„Kenn ich."

— Der Mann versteht es nicht.

Phanti schon.

— Dann erzählt er von seinen Leuten.

Viele Leute.

Offenbar.

Ein Veranstalter hier.

Ein DJ dort.

Jemand mit Club.

Jemand mit Hotel.

Einer „macht gerade richtig Business".

Namen fallen.

Einige kennt Chris.

Andere nicht.

Bei jedem klingt es, als hätten sie gemeinsam Häuser gebaut.

— „Mit dem bin ich eng."

„Der ruft mich ständig an."

„Dem hab ich damals geholfen."

„Ohne mich hätte der—"

Phanti unterbricht.

„Da ist er."

Der Mann stoppt.

„Wer?"

Phanti deutet hinter ihn.

„Dein guter Freund."

— Der Besitzer des Ladens steht tatsächlich dort.

Phanti kennt ihn.

Nicht besonders gut.

Aber gut genug.

Der Mann mit der Bauchtasche dreht sich um.

Sein Gesicht bleibt souverän.

Fast.

— „Da ist der Verrückte!"

Er geht hin.

Arme offen.

Der Besitzer sieht ihn kommen.

„Hallo."

Kein Name.

Keine erkennbare Freude.

Der Mann klopft ihm auf die Schulter.

„Alles gut bei dir?"

„Ja."

„Läuft?"

„Ja."

„Stark."

— Er dreht sich zu Phanti und Chris.

„Sag ich doch."

Der Besitzer schaut ebenfalls zu ihnen.

„Was sagt er?"

Phanti:

„Dass ihr gute Freunde seid."

— Chris sieht den Moment.

Den winzigen Riss.

— Der Besitzer:

„Wir?"

Der Mann lacht sofort.

„Ach, der nimmt mich hoch."

Phanti:

„Mach ich?"

Chris:

„Schwer zu sagen."

— Der Besitzer betrachtet den Mann.

Dann:

„Warst du schon mal hier?"

— Stille.

Chris schaut auf die Bauchtasche.

Phanti ebenfalls.

Nicht abgesprochen.

Einfach Instinkt.

— Der Mann lacht.

„Der ist immer so."

Der Besitzer:

„Wer bist du?"

— Phanti senkt den Kopf.

Chris presst die Lippen zusammen.

Der Mann sagt seinen Namen.

Der Besitzer nickt höflich.

„Ah. Okay."

Dann geht er weiter.

— Phanti wartet.

Der Mann wartet ebenfalls.

Chris:

„Guter Freund."

— „Der macht immer Spaß."

Phanti:

„Extrem subtil."

— Der Mann winkt ab.

„Egal."

Und erstaunlicherweise funktioniert es.

Zumindest für ihn.

Innerhalb weniger Sekunden hat die Geschichte eine neue Version.

Nicht mehr:

**Wir sind gute Freunde.**

Jetzt:

**Der zieht mich immer auf.**

Chris beobachtet das mit wachsendem Interesse.

Das ist keine Lüge, die verteidigt wird.

Es ist eine Geschichte, die sich selbst repariert.

Sofort.

Ohne sichtbare Scham.

Fast beeindruckend.

— Phanti:

„Der ist schnell."

Chris:

„Sehr."

— Dann kommt die nächste Runde.

„Geht auf mich."

Große Geste.

Mehrere Leute reagieren.

Bestellungen.

Der Mann zieht eine Karte aus der Bauchtasche.

Hält sie zwischen zwei Fingern.

„Macht einfach."

Chris sieht zu Phanti.

Phanti:

„Jetzt wird's teuer."

— Das Lesegerät piept.

Noch einmal.

Der Mitarbeiter schaut auf das Display.

„Nochmal bitte."

Der Mann hält die Karte erneut hin.

Piepen.

Nichts.

— „Technik."

Phanti nickt.

„Natürlich."

— Dritter Versuch.

Andere Position.

Gleiche Karte.

Gleiches Ergebnis.

Der Mann:

„Das Gerät spinnt."

Der Mitarbeiter:

„Die anderen Karten gehen."

Phanti:

„Mutige Information."

— Der Mann sieht kurz zu ihm.

Dann öffnet er die Bauchtasche.

Zum ersten Mal vollständig.

— Und damit tritt der eigentliche Zeuge auf.

— Chris schaut hinein.

Nicht absichtlich.

Aber die Tasche hängt direkt vor ihm.

Karte.

Schlüssel.

Zusammengefaltete Scheine.

Ein Kassenzettel.

Ein zerknitterter Zettel.

Kaugummi.

Ladekabel.

Irgendein Bändchen.

Alles ordentlich genug verstaut, um erkennen zu können:

Diese Tasche kennt ihren Besitzer besser als jeder Mensch in diesem Raum.

— Der Mann zählt Geld.

Langsam.

Vor wenigen Sekunden spielte Geld keine Rolle.

Jetzt spielt jeder Schein eine.

— Phanti:

„Soll ich helfen?"

„Nein."

„Sicher?"

„Ja."

„Du zählst zum dritten Mal."

„Ich weiß."

Phanti:

„Okay."

— Chris lehnt sich zu Phanti.

„Die Tasche ist ehrlicher."

Phanti schaut hinein.

„Deutlich."

— Beim Herausziehen des Geldes fällt ein kleiner Zettel auf den Boden.

Chris hebt ihn auf.

Eine Telefonnummer.

Handschriftlich.

Darunter ein Name.

**Sabrina.**

Er hält ihn dem Mann hin.

„Verloren."

Der Mann sieht darauf.

„Kenn ich nicht."

— Chris schaut auf den Zettel.

Dann auf ihn.

„Dann heb ihn auf."

Der Mann nimmt ihn.

„Keine Ahnung, wie der da reinkommt."

Phanti:

„Tasche führt offenbar ein Eigenleben."

— Der Mann steckt Sabrina zurück ins Seitenfach.

Chris:

„Jetzt kennt ihr euch wieder."

— Phanti lacht.

Der Mann diesmal nicht.

— Die Runde wird kleiner.

Nicht plötzlich.

Organisch.

Einer muss telefonieren.

Zwei wollen kurz raus.

Einer entdeckt jemanden am anderen Ende des Raums.

Die Gruppe, die eben noch um den großzügigen Gastgeber stand, löst sich auf.

— Chris bemerkt etwas.

Solange ein Handy auf den Mann gerichtet ist, verändert sich seine Haltung.

Kinn hoch.

Schultern breit.

Lauter.

Sobald das Handy sinkt:

normal.

Fast angenehm.

— Chris:

„Interessant."

Phanti:

„Was?"

„Kamera an."

Chris hebt sein Telefon.

Sofort:

„Chris, mein Bruder!"

Der Mann legt einen Arm um ihn.

Breites Grinsen.

Chris senkt das Telefon.

Der Arm verschwindet.

— Phanti:

„Nochmal."

Chris hebt das Handy.

Arm.

Grinsen.

„Beste Leute hier!"

Handy runter.

Abstand.

— Phanti nickt.

„Reproduzierbar."

Chris:

„Damit wissenschaftlich."

— Der Mann merkt, was sie machen.

„Ihr seid richtige Wichser."

Phanti:

„Aber deine Freunde."

Der Mann muss lachen.

Zum ersten Mal ehrlich.

— Das rettet ihn ein bisschen.

Chris gefällt das.

Nicht genug, um aufzuhören.

Aber ein bisschen.

— Phanti zeigt auf die Tasche.

„Was hast du da eigentlich alles drin?"

„Alles, was man braucht."

„Zum Beispiel?"

„Karte. Geld. Schlüssel."

Chris:

„Sabrina."

„Halt die Fresse."

— Phanti:

„VIP-Bändchen."

Der Mann:

„Das trag ich."

„Stimmt."

Phanti schaut genauer.

„Von gestern?"

Der Mann zieht den Arm weg.

„Ist egal."

— Chris:

„Von welchem Laden?"

„Anderer."

„Hilft das hier?"

„Nein."

Phanti:

„Aber sieht wichtig aus."

— Der Mann schaut ihn an.

„Du hast heute richtig Spaß, oder?"

Phanti:

„Überraschend."

— Chris betrachtet die Bauchtasche erneut.

Sie ist nicht luxuriös.

Nicht besonders groß.

Nicht auffällig.

Kein Statussymbol.

Einfach praktisch.

Und gerade deshalb passt sie überhaupt nicht zu dem Mann.

Oder vielleicht perfekt.

— Alles, was er behauptet, ist groß.

Alles, was er tatsächlich braucht, passt in diese Tasche.

Eintritt.

Karte.

Bargeld.

Schlüssel.

Telefonnummer.

Kleinkram.

Sein reales Leben ist erstaunlich kompakt.

— Chris:

„Andere schleppen ihren Größenwahn den ganzen Abend durch die Gegend."

Phanti schaut zu ihm.

Chris deutet auf die Tasche.

„Der hat seinen angeschnallt."

— Phanti schweigt.

Dann:

„Das spart Wege."

— Chris lacht.

„Den nehmen wir."

Der Mann:

„Was nehmt ihr?"

Beide gleichzeitig:

„Nichts."

— Später steht er vor der nächsten Tür.

Natürlich gehen sie ebenfalls weiter.

Nicht wegen ihm.

Zumindest behauptet Phanti das.

Chris glaubt ihm kein Wort.

— Der Mann bleibt kurz vor einer dunklen Scheibe stehen.

Brille richten.

Tasche mittig.

Shirt glatt.

Kurzer Blick.

Dann ist die Figur wieder da.

— Phanti steht ein paar Schritte entfernt.

„Reset."

Chris:

„Neue Location, neue Wahrheit."

— Der Mann geht hinein.

Gleicher Schritt.

Neue Menschen.

Innerhalb kürzester Zeit:

„Kenn den Veranstalter."

Chris sieht zu Phanti.

Phanti:

„Natürlich."

— „War vorhin noch bei meinem Kumpel im Laden."

Chris:

„Welcher Kumpel?"

Der Mann dreht sich um.

Sieht ihn.

Eine Sekunde.

Dann grinst er.

„Du bist echt nachtragend."

Chris:

„Nur interessiert."

— Die Geschichte vom vorherigen Laden hat sich bereits verändert.

Die Karte?

Technisches Problem.

Der Besitzer?

Alter Bekannter, der gern provoziert.

Die kleine Runde?

Er musste weiter.

Der Zettel?

Nicht erwähnt.

Sabrina?

Aus der Akte verschwunden.

— Phanti hört eine Weile zu.

Dann sagt er leise:

„Beeindruckend."

Chris:

„Was?"

„Der macht aus jedem Fehler eine neue Version."

— Chris nickt.

Das ist tatsächlich beeindruckend.

Und plötzlich versteht er, warum dieser Fall besser ist als bloße Angeberei.

Der Mann baut seine Außenwirkung nicht einmalig.

Er wartet sie.

Permanent.

Jeder Widerspruch wird eingearbeitet.

Jede Peinlichkeit umgeschrieben.

Jeder neue Raum bekommt die passende Fassung.

— Chris kennt das Prinzip.

Nicht nur von anderen.

Jeder Mensch erzählt sich selbst.

Auch er.

Der Unterschied liegt vielleicht nur darin, wie viel Abstand zwischen Geschichte und Wirklichkeit entstehen darf, bevor man selbst nicht mehr weiß, welche davon stimmt.

— Phanti stößt ihn leicht mit dem Ellenbogen an.

„Du denkst wieder."

„Ja."

„Lass."

Chris:

„Guter Hinweis."

— Der Mann hat inzwischen neue Bekannte.

Oder Brüder.

Das wechselt.

Chris und Phanti halten sich diesmal zurück.

Sie brauchen nichts mehr.

Der Fall hat sich selbst erklärt.

— Als sie später draußen stehen, zieht Chris sein Telefon heraus.

Neue Notiz.

Phanti:

„Was schreibst du?"

Chris:

„Bauchtaschenzeuge."

— Phanti schaut ihn an.

Dann auf die Tür.

„Die Tasche als Zeuge?"

„Die einzige glaubwürdige Person heute."

„Ist keine Person."

„Noch glaubwürdiger."

— Phanti nickt.

„Gut."

— Chris schreibt:

**Großer Auftritt. Kleine Tasche.**

Darunter:

**Alles Wichtige griffbereit.**

Phanti:

„Große Namen auf der Zunge."

Chris schreibt.

„Große Geste."

Schreibt.

„Kleine Scheine."

Chris schaut hoch.

„Gemein."

Phanti:

„Korrekt."

Chris schreibt.

— Dann:

**Erzähl mir nichts von Größe, wenn du sie umschnallen musst.**

Chris liest den Satz noch einmal.

Phanti hört zu.

Keine Reaktion.

Chris kennt ihn inzwischen gut genug.

Das bedeutet:

bleibt.

— Der Mann kommt aus der Tür.

Allein.

Brille noch auf.

Tasche noch mittig.

Er sieht die beiden.

„Seid ihr immer noch da?"

Phanti:

„Leider."

„Schreibt ihr jetzt über mich?"

Chris:

„Vielleicht."

— Der Mann lacht.

„Dann macht mich wenigstens cool."

Phanti:

„Wir arbeiten mit dem Material."

— Er zeigt ihm den Mittelfinger.

Phanti hebt sein Getränk.

„Gute Nacht."

Der Mann geht.

Nach einigen Metern dreht er sich noch einmal um.

„Chris!"

„Was?"

„Die Nummer von Sabrina hab ich übrigens rausgefunden."

Chris:

„Und?"

„Kenn ich doch."

— Phanti schließt die Augen.

Chris lacht.

„Natürlich."

— Der Mann verschwindet.

Phanti:

„Wir müssen die Akte ändern."

„Warum?"

„Zeuge hat neue Aussage."

— Chris steckt das Telefon ein.

„Nein."

„Nein?"

„Genau deshalb bleibt sie."

— Im Auto öffnet Phanti das Handschuhfach.

Die bisherigen Akten liegen dort inzwischen nicht mehr.

Dafür gibt es längst eine eigene Tasche.

Natürlich.

Chris sieht sie.

„Wir brauchen bald ein System."

Phanti:

„Wir haben eins."

„Welches?"

„Nummern."

„Das ist kein System."

„Vier Akten widersprechen dir."

— Chris nimmt ein neues Blatt.

Schreibt oben:

**BEWEISMITTEL 05**

Dann:

**BAUCHTASCHENZEUGE**

Phanti liest mit.

„Was legen wir rein?"

Chris:

„Nichts."

„Schwierig für ein Beweismittel."

„Diesmal reicht die Aussage."

— Phanti:

„Welche?"

Chris schreibt darunter:

**Die Tasche hat wenigstens nichts behauptet.**

— Phanti liest den Satz.

Dann lehnt er sich zurück.

„Stimmt."

— Und genau deshalb wird sie der fünfte Fall.

Nicht weil eine Bauchtasche lächerlich wäre.

Ist sie nicht.

Nicht weil jemand mit großen Gesten automatisch ein Idiot ist.

Ist er nicht.

Sondern weil an diesem Abend ausgerechnet das unscheinbarste Ding im Raum die ehrlichste Version seines Besitzers erzählt.

Karte.

Schlüssel.

Bargeld.

Eintritt.

Eine Telefonnummer.

Mehr braucht der Mann tatsächlich nicht.

Alles andere trägt er nicht in der Tasche.

Er trägt es vor sich her.

— Chris legt das Blatt zu den anderen.

Phanti startet den Wagen.

„Was kommt als Nächstes?"

Chris:

„Sechs."

„Hilfreich."

Chris sieht auf die Liste.

Dann grinst er.

„Oh-Ah-Protokoll."

— Phanti sagt nichts.

Chris wartet.

— „Oh", sagt Chris.

Phanti schaut geradeaus.

„Lass es."

Chris:

„Ah."

„Chris."

„Nur Vorbereitung."

Phanti startet den Motor.

„Ich fahr dich heim."

Chris:

„Drohung?"

„Versprechen."

— Der Wagen fährt los.

Hinter ihnen beginnt irgendwo bereits die nächste Geschichte.

Und im Archiv liegt ein Blatt ohne Gegenstand.

Zum ersten Mal reicht ein Zeuge, der nie gesprochen hat.

**Beweismittel fünf.**

**BAUCHTASCHENZEUGE.**

**Akte 05 geschlossen.**

— —