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OFFENE POSTEN · KAPITEL 9

Der kleine Kreis

Der kleine Kreis

Sie trafen sich bei Leon in der Werkstatt.

Sibel kam direkt aus einer anderen Schicht. Sie hatte in der Bar an zwei Wochenenden den Einlass gemacht und danach bei der Abrechnung geholfen. Jan hatte einen Transporter für einen Abend vermietet. Keiner von beiden war regelmäßig im hinteren Raum gewesen.

Die Werkstatt hatte keinen Besprechungstisch. Leon legte eine Platte auf zwei Böcke. Sibel setzte sich auf einen Hocker. Jan blieb zunächst stehen.

Chris sagte, er wolle ihre Unterlagen zusammenlegen, damit jeder wisse, worüber geredet werde. Nicht ihre Ansprüche zusammenwerfen. Nicht für sie entscheiden.

Sibel sah ihn an. „Und wer von uns wird dabei die Geschichte?“

„Was meinst du?“

„Wenn du hinterher ein Lied darüber machst.“

Chris ließ die Hand von seinem Ausdruck sinken.

Er hatte keine Kamera dabei. Er hatte sich deshalb für ausreichend zurückhaltend gehalten. Aber Sibel kannte ihn vor allem als jemanden, der Dinge aufnahm und daraus etwas machte.

„Ohne eure Zustimmung niemand“, sagte er.

„Auch nicht ohne Namen.“

Er nickte.

Jan fragte, ob das hier eine Sammelklage werden solle. Chris sagte, davon verstehe er zu wenig. Es ging zunächst um eine gemeinsame Übersicht und darum, unabhängigen Rat einzuholen, bevor jemand Forderungen aufgab. Jan setzte sich.

Sie schrieben die Beträge auf. Forderungsgrund, Datum, vorhandene Bestätigung. Dann die Angebote. Sibel hatte noch keines bekommen. Karl hatte ihr gesagt, bei ihr werde man eine andere Lösung finden.

„Er hat mich gefragt, ob ich im November wieder kann.“

„Willst du?“, fragte Leon.

„Ich brauche Arbeit.“

Das stand nicht in der Tabelle.

Chris ließ am Rand Platz für offene Fragen. Er war gut darin, Dinge ordentlich aussehen zu lassen. Heute sollte die Ordnung sichtbar machen, was sie nicht wussten.

Am Ende waren sie sich nicht über alles einig. Jan wollte am liebsten sofort einen Anwalt einschalten. Leon brauchte eine schnelle Teilzahlung. Sibel wollte auf keinen Fall öffentlich genannt werden. Chris wollte keinen Verzicht unterschreiben.

Sie beschlossen, Nora gemeinsam um ein Gespräch zu bitten. Jeder würde für seine eigene Forderung sprechen. Niemand würde die anderen als Druckmittel ankündigen.

Als Sibel ging, fragte Chris, ob er ihren Namen in die Übersicht aufnehmen dürfe.

Sie sagte ja.

Er schrieb ihn erst danach hin.

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