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OFFENE POSTEN · KAPITEL 5

Der rote Ärmel

Der rote Ärmel

Leon saß im Hof auf einer umgedrehten Getränkekiste. Er hatte eine blaue Jacke an und rieb die Hände gegeneinander. Sein Werkzeugkoffer stand neben ihm, geschlossen.

„Bist du durch?“, fragte er.

Chris nickte.

„Ich muss noch.“

Leon arbeitete seit Jahren bei den größeren Abenden in der Bar. Licht, Aufbau, Ton, manchmal alles davon. Als Chris ihn das erste Mal getroffen hatte, hatte Leon ihm einen kaputten Stecker geöffnet und gezeigt, warum es brummte. Er hatte keine Rechnung dafür geschrieben.

„Was ist mit deiner roten Jacke?“, fragte Chris.

Leon schaute ihn an. Dann begriff er. „Die hab ich geholt. Hier lasse ich nichts mehr.“

Chris setzte sich auf die Kiste daneben. Der Kunststoff bog sich unter ihm. Zwischen zwei Pflastersteinen stand Wasser, obwohl es seit dem Morgen nicht mehr geregnet hatte.

Leon schuldete niemandem eine Erklärung. Trotzdem fing er an zu erzählen. Drei Veranstaltungen, eine Reparatur, ein abgebrochener Aufbau. Rechnungen für insgesamt zweitausendsechshundertvierzig Euro. Bei der letzten Veranstaltung hatte Karl ihm schon beim Entladen gesagt, diesmal könne er nicht sofort zahlen.

Leon war geblieben.

„Sonst hätten die Leute wieder heimfahren müssen.“

Chris wusste, wen Leon meinte. Eine Sängerin, die anderthalb Stunden angereist war. Ein Schlagzeuger mit einem Kind zu Hause. Gäste, die ihre Karten bezahlt hatten. Karl war gut darin, die Folgen seines eigenen Versäumnisses neben andere Menschen zu stellen.

„Hast du auch so ein Blatt bekommen?“

Leon nickte. Er sollte auf einen Teil verzichten und dafür im kommenden Jahr häufiger gebucht werden.

„Schriftlich?“

„Dass ich verzichte, ja. Dass sie mich buchen, nein.“

Chris sah zum Fenster des hinteren Raums. Die Gardine bewegte sich. Vielleicht stand dort jemand, vielleicht zog es nur.

„Die Frau kennt mich nicht“, sagte Leon.

„Karl kennt dich.“

Leon schob den Koffer mit der Schuhspitze näher zu sich. „Eben.“

Dann wurde die Tür geöffnet. Karl rief seinen Namen. Nicht laut, nur mit dieser Selbstverständlichkeit, mit der er immer jemanden aus einem anderen Raum holen konnte.

Leon stand auf.

„Warte“, sagte Chris.

Er hatte noch keinen guten Satz. Leon blieb trotzdem stehen.

„Wenn du danach reden willst, ruf mich an.“

Leon sah auf ihn hinunter. „Du bist doch schon fertig.“

Chris schüttelte den Kopf.

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