Die Hand über dem Brett
Armin hatte Chris Schach beigebracht. Kein großer Spieler, aber besser als fast alle, die Chris kannte. Er sah früh, wo ein Zug hinführte, und hatte sich angewöhnt, das auch dann zu sagen, wenn niemand danach fragte.
An diesem Nachmittag saßen sie im Café. Chris stellte einen Springer auf ein Feld. Armin schob ihn zurück.
»Damit verlierst du die Dame.«
»Dann lass sie mich verlieren.«
Armin zog die Hand weg. »Ich zeig's dir doch bloß.«
»Du zeigst mir's, bevor ich überhaupt gespielt hab.«
Armin betrachtete das Brett. Er nahm seine Tasse und setzte sie auf den Unterteller zurück, ohne zu trinken.
Chris stellte den Springer wieder hin. Zwei Züge später war die Dame weg.
Es war nicht befreiend. Es ärgerte ihn. Er sah jetzt den Fehler und hätte gern doch noch zurückgenommen. Armin sagte nichts. Gerade dadurch musste Chris weiterspielen.
Der Unterschied
Abends erzählte er Tom davon. Sie bauten das Schlagzeug im Proberaum auf. Nora, die Bassistin, stimmte ihr Instrument. Sie war durch eine Bekannte dazugekommen und hatte nach zwanzig Minuten mehr Fragen zum Ablauf gestellt als Chris sich in drei Tagen gestellt hatte.
»Armin durfte auch mal aufhören zu helfen«, sagte Tom.
Chris legte einen Teppich unter die Bassdrum.
David kam kurz darauf. Er hatte ihnen den Raum vermittelt. Früher hatten Chris und er eine Zeit lang gemeinsam gearbeitet. David wusste, wen man für Geräte anrufen konnte, welche Tür im Kulturhaus offen war, wenn die andere klemmte. Er hatte Chris während einer schwierigen Phase einen Haustürschlüssel abgenommen, um Dinge vorbeibringen zu können. Der Schlüssel war geblieben, auch als die Phase längst vorbei war.
David hörte zwei Minuten zu, stoppte die Probe und änderte die Stellung der Mikrofone.
Nora sah Chris an. »Ist er unser Tonmann?«
»Nein«, sagte Chris.
David lächelte. »Ich will euch Arbeit sparen.«
Er drehte an einem Regler und bat Nora, leiser zu spielen. Sie schaltete ihren Verstärker aus.
»Dann sag mir bitte vorher, was du vorhast.«
Chris dachte an Armins Hand über dem Brett. David hatte seine noch am Regler.
»Wir machen den Song jetzt einmal durch«, sagte Chris. »Danach können wir reden.«
David trat zurück. Chris legte den Gitarrengurt über die Schulter und stellte das Mikrofon näher. Die Probe lief holprig. Tom verlor nach der zweiten Strophe die Form. Chris kam zu früh in den Refrain. Nora hielt den Bass, bis alle wieder da waren.
Als sie aufhörten, sagte David: »Genau das meinte ich.«
Nora schaltete den Verstärker aus. »Wir haben's gehört.«
Chris sah auf die Notizen. Beim nächsten Durchgang wollten sie an derselben Stelle anfangen.
David ging nach zehn Minuten. Armin kam später mit Kaffee vorbei und setzte sich auf eine Kiste. Er hörte zu, ohne aufzustehen.
