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Du bist gemeint · KAPITEL 7

Gönn dir deinen Neid

Du bist gemeint – Original-Artwork auf SoundCloud

Der Anruf

Der Veranstalter vom ersten Abend meldete sich erneut. Er hatte mit Chris gesprochen, mit Tarek, danach mit dem Tonmann einer anderen Veranstaltung. Der Auftritt konnte stattfinden. Kleiner Raum, überschaubare Gage, klare Zeiten.

Chris sagte zu.

Zum ersten Mal seit Tagen notierte er etwas, das keinen Streit betraf.

Abends gratulierte Ralf in der Gruppe. Nach dem Glückwunsch kam ein langer Absatz über die Größe des Raums, die Reichweite des Veranstalters und den Unterschied zwischen einem Auftritt und einer Karriere.

Chris tippte: Hab ich irgendwas von Karriere gesagt?

Er löschte es.

Eine Minute später kam eine private Nachricht. Ralf habe früher öfter in genau solchen Räumen gespielt. Man solle sich nichts vormachen.

Chris legte das Telefon weg und hörte die Aufnahme, an der er gerade arbeitete. Beim dritten Durchgang gefiel ihm die Hook noch immer. Das war selten genug, um den Abend nicht zu verschenken.

Der Entwurf

Am Donnerstag kam Ralf während des Soundchecks vorbei. Er hatte einen neuen Entwurf auf dem Telefon. Chris sollte kurz reinhören.

»Nur deine ehrliche Meinung.«

Chris setzte die Kopfhörer auf. Der Track war nicht fertig. Eine gute Bassfigur, ein Text, der noch zu lang für die gewählte Form war. Im Refrain erkannte Chris einen Rhythmus aus seinem eigenen Ausschnitt. Keine Kopie, aber nah genug, dass Ralfs Kommentar darüber anders klang.

Er nahm die Kopfhörer ab.

»Die zweite Strophe braucht Luft. Wenn du die letzten vier Zeilen kürzt, hat der Refrain mehr Platz.«

Ralf sah auf das Telefon. »Darum ging's mir nicht.«

»Worum dann?«

»Der Gesamteindruck.«

»Der Bass funktioniert. Der Text ist noch nicht dort.«

Ralf steckte die Kopfhörer ein. »Du musst nicht immer so von oben reden.«

Chris sah zur Bühne. Marc wartete mit einem Mikrofon in der Hand.

Er wollte antworten, Ralf auf die Ähnlichkeit ansprechen, den alten Kommentar hervorholen. Dann würde er wieder eine Stunde brauchen, um die nächste Viertelstunde zu rechtfertigen.

»Ich muss weiter«, sagte er.

Ralf blieb noch einen Moment stehen.

»Du bist früher entspannter gewesen.«

Chris ging zum Mikrofon. Er bat Marc um etwas weniger Hall und begann die erste Strophe.

Am Rand des Raums zog Ralf sein Telefon heraus. Chris sah es, hörte den ersten Schlag und blieb im Takt.

In Verbindung bleiben.