Eine Einladung
Eine Woche später stellte Chris sechs Stühle um seinen Küchentisch. Den siebten ließ er an der Wand. Jens hatte auf die Einladung noch nicht geantwortet.
Chris hatte den Text dreimal verändert. Erst hatte darin gestanden: Wir können reden. Dann: Kein großes Ding. Schließlich nur: Freitag bei mir, ab sieben. Essen und Karten. Du musst nichts mitbringen.
Die Nachricht war auch an Olli gegangen. Olli wohnte nicht in der Stadt, hatte aber für das Wochenende einen Besuch bei seinem Bruder geplant. Chris mochte, dass er konkret absagte, wenn es nicht passte.
Dani kam zuerst. Sie brachte eine Tüte Eiswürfel, weil sie welche im Gefrierfach hatte. Lea kam mit Brot. Patrick war nicht eingeladen. Chris hatte nicht entschieden, wie lange das so bleiben sollte.
Um halb acht klingelte Jens.
Er hielt eine Flasche Wein am Hals. Seine Jacke war auf den Schultern vom Regen dunkler.
Chris trat zur Seite.
»Willst du die abstellen?«
Jens reichte sie ihm. Ein Preisaufkleber klebte noch unten am Glas. Chris stellte die Flasche zwischen die anderen Getränke, ohne das Etikett zu drehen.
Der Einsatz
Beim Essen fragte niemand nach dem Video. Chris hatte Dani nur gesagt, dass er Jens etwas zu erklären habe und keine Unterstützung am Tisch wolle. Jens wusste davon nichts. Chris hatte ihm keinen Abend gebaut, in dem alle bereits auf seine Versöhnung warteten.
Nach dem Essen verteilte Lea die Karten.
Jens widersprach ihr bei einer Regel. Sie widersprach zurück. Olli suchte auf seinem Telefon nach der offiziellen Fassung, wurde von beiden angefahren und steckte es lachend wieder ein.
Chris saß am Rand und hörte zu.
Er wollte sich freuen, dass Jens da war. Dann wollte er sich dafür schämen, wie sehr er die Anwesenheit als gutes Zeichen las. Er wusste inzwischen, dass ein Mensch kommen konnte, ohne damit etwas zu bestätigen.
Später standen sie gemeinsam an der Spüle. Jens spülte, Chris trocknete ab.
»Haben noch welche geantwortet?«, fragte Jens.
»Zwei. Einer hat gesagt, er hätte es nie gespeichert. Mehr kann ich nicht prüfen.«
Jens nickte.
Chris nahm einen Teller. Am Rand klebte ein Stück Salat.
»Ich werde nicht so tun, als wär es damit weg.«
»Gut.«
Das Gespräch endete dort. Jens gab ihm den nächsten Teller.
Als die anderen gingen, nahm er die leere Weinflasche mit, weil bei ihm Altglas anstand. An der Tür sagte er: »Nächsten Freitag können wir bei mir spielen. Wenn die Runde will.«
Chris antwortete nicht sofort. Dann sagte er: »Frag sie.«
Jens zog sein Telefon heraus und schrieb die Einladung selbst.
