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ZWISCHEN JETZT UND SPÄTER · KAPITEL 11

Kapitel 10

Kapitel 10

Chris stand auf. Es war 01:17 Uhr. Zu spät zum Anrufen. Dieser Gedanke kam automatisch. Dann blieb er stehen. Er musste lachen. Natürlich.

**Zu spät.**

Schon wieder. Er setzte sich an den Tisch. Die Tasse vom Morgen stand noch dort. Das alte Foto daneben. Der Bildschirm des Telefons war schwarz. Er dachte an den Jungen, der geglaubt hatte, beim Tod seines Opas sei nur ihm jemand genommen worden.

An die Frau, die ihren eigenen Verlust getragen und trotzdem noch Kraft für ihn gefunden hatte. An alle Versionen seiner selbst, die Entscheidungen getroffen hatten, deren Folgen sie nicht kennen konnten. An all die Menschen, denen er einen Teil seiner heutigen Stärke verdankte. Und dann begriff er etwas.

Vielleicht hatte er die ganze Zeit die falsche Frage gestellt. Er hatte geglaubt, dieses Album handle davon, was gewesen war. Von Erinnerung. Verlust. Vergangenheit. Menschen, die bleiben. Menschen, die gehen. Aber das war nur die Hälfte. Die Vergangenheit war nicht der eigentliche Gegenstand. Sie war der Beweis.

Der Beweis dafür, wie leicht ein gegenwärtiger Augenblick seinen Wert versteckt. Wir wissen, dass früher kostbar war, weil es vorbei ist. Aber warum brauchen wir das Vorbeisein, um den Wert zu erkennen? Warum muss ein Stuhl leer sein, bevor wir sehen, wer darauf gesessen hat?

Warum muss eine Stimme fehlen, bevor wir hören, wie vertraut sie war? Warum muss aus heute gestern werden, bevor wir verstehen, dass es Leben war? Chris nahm das Telefon. Er öffnete die Nachricht.

**Meld dich mal, wenn du Zeit hast.**

Er las den Satz ein letztes Mal.

Dann tippte er:

**Bist du noch wach?**

Drei Punkte erschienen. Verschwanden. Erschienen wieder.

**Ja.**

Chris drückte auf Anrufen.

In Verbindung bleiben.