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ZWISCHEN JETZT UND SPÄTER · KAPITEL 4

Kapitel 3

Kapitel 3

Bei seinem Opa hatte Chris lange nur verstanden, dass jemand fehlte. Mehr nicht. Er war jung gewesen. Jung genug, Verlust egoistisch zu erleben, ohne deswegen egoistisch zu sein. Kinder fragen nicht zuerst, was der Tod mit den Erwachsenen macht. Sie sehen einen leeren Stuhl. Eine Jacke, die nicht mehr gebraucht wird.

Einen Namen, der plötzlich in der Vergangenheitsform auftaucht. Für Chris war damals sein Opa weg. Das war die ganze Wahrheit. Erst viele Jahre später begriff er, dass es nur seine Wahrheit gewesen war. Da war noch eine andere. Seine Oma hatte nicht ihren Opa verloren. Sie hatte ihren Menschen verloren. Einen Alltag. Gewohnheiten.

Gespräche, die niemand sonst kannte. Streitigkeiten, über die Jahre Gras gewachsen war. Pläne. Vielleicht auch Dinge, die nie ausgesprochen worden waren. Ein gemeinsames Leben besitzt eine Sprache, für die es nur zwei Muttersprachler gibt. Wenn einer stirbt, bleibt der andere mit Wörtern zurück, die niemand mehr versteht. Und trotzdem war da ein Junge.

Mit seinem Schmerz. Seinen Schwierigkeiten. Seinen Türen, die manchmal zufielen. Seinem Recht darauf, noch nicht zu verstehen. Chris erinnerte sich an ihre Hände. Nicht feierlich. Nicht wie in einem Film. Ganz gewöhnliche Hände. Hände, die Dinge vom Tisch nahmen. Einkäufe trugen. Essen machten. Türen öffneten.

Vielleicht war genau das der Grund, warum ihm diese Erinnerung inzwischen so naheging. Sie hatte selbst genug zu tragen. Und niemand hatte ihr für diese zusätzliche Last eine Medaille gegeben. Sie hatte einfach weitergemacht. Damals hatte Chris darin nichts Außergewöhnliches gesehen. Heute sah er fast nichts anderes mehr.

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