Das Handtuch
Es war kein schlechter Termin geworden.
Das ärgerte Chris beinahe. Ein schlechter Termin hätte eine einfache Geschichte ergeben. Er wäre gegangen, hätte sich zu Hause über die beiden beschwert und die Sache als Bestätigung seines Urteils abgelegt.
Stattdessen hatten sie Musik gehört. Jule hatte Fragen gestellt, die nicht nach einer richtigen Antwort klangen. Oliver hatte zugehört, auch wenn man ihm anmerkte, dass er lieber ein fertiges Konzept gehabt hätte.
Sie waren bei einem möglichen Dreh am Dienstag gelandet. Abends, in der alten Wohnung, bevor die Schlüssel übergeben wurden. Jule war danach länger unterwegs. Oliver hatte das Licht bereits mit jemandem abgestimmt. Chris sollte bis Montag zusagen.
Er hatte gesagt, er müsse schauen.
Zu Hause hing das nasse Handtuch an der offenen Schranktür.
Dani hatte es dort gefunden, wo er es nach dem Duschen gelassen hatte. Auf dem Bett. Sie fragte, ob er es wenigstens ins Bad tragen könne. Chris nahm es und erklärte ihr gleichzeitig den Termin, als sei seine Mitteilungsbereitschaft bereits eine Beteiligung am Haushalt.
„Dienstag?“, fragte sie.
„Ist noch nicht sicher.“
„Du hast bei deiner Mutter zugesagt.“
„Ich weiß.“
„Warum sagst du dann, du musst schauen?“
Er hing das Handtuch über die Duschtür. Es rutschte. Er fing es auf, legte es erneut hin, ordentlich genug, um sich weiter mit der wichtigen Sache zu beschäftigen.
„Weil da mehrere Leute dranhängen.“
„An deiner Mutter hängt kein Mensch dran?“
Er drehte sich um. Sie stand im Flur. Das war nicht der Ton gewesen, den sie am Mittwoch benutzt hatte.
„So hab ich das nicht gesagt.“
„Ich weiß, was du gesagt hast.“
Er wurde genau. Er erklärte die Verfügbarkeit von Jule, die Übergabe der Wohnung, den Zusammenhang mit dem Album. Er erklärte sogar, dass er noch nichts entschieden hatte. Während er sprach, hörte er, dass Dani längst nicht mehr über die Frage nachdachte, ob ein Dienstag technisch umzuplanen war.
„Du suchst schon die Worte für die Absage“, sagte sie.
Das traf, weil er auf der Heimfahrt kurz gedacht hatte, Erika würde es verstehen.
„Ich sag nicht ab.“
„Dann sag ihnen das.“
„Du musst nicht alles entscheiden.“
Es war ein billiger Satz. Er hatte ihn kaum ausgesprochen, da wusste er es. Dani ließ den Blick einen Moment auf ihm stehen, als prüfe sie, ob er ihn selbst wieder einfangen würde.
Er tat es nicht rechtzeitig.
Sie ging ins Schlafzimmer. Chris blieb im Bad, nahm das Handtuch zum dritten Mal und hängte es an den Haken. Danach räumte er in der Küche die Teller weg. Es gab nicht genug Teller, um die Zeit zu füllen, die er brauchte.
Er öffnete den Geschirrspüler, sortierte eine Tasse um, wischte über eine saubere Stelle der Arbeitsplatte. Das Telefon lag daneben. Oliver war erreichbar. Chris wusste das. Trotzdem tat er so, als wäre an diesem Abend nur der Haushalt zu erledigen.
Nach einer Weile hörte er Dani aus dem Schlafzimmer fragen, ob er auch noch etwas essen wolle.
Er sagte ja.
Sie wärmte die Reste auf, ohne ihm einen Teller hinzustellen, bevor er ihn selbst nahm. Sie setzten sich nebeneinander. Es war eine Einladung zum Abendessen, keine Bestätigung, dass sein Satz damit aus der Welt war.
„Das mit dem Entscheiden war unfair“, sagte er.
Dani blies auf ihre Gabel.
„Ja.“
Er wartete nicht auf einen Trost. Sie aßen. In der Küche blieb das Licht an, weil keiner aufstehen wollte. Später nahm sie sein Ladekabel aus ihrer Tasche und legte es auf seine Seite des Sofas.
Chris schrieb Oliver noch keine Nachricht. Das war der Rest des Problems, den der Abend nicht für ihn lösen würde.
Am nächsten Morgen stand sein Kaffee auf der Arbeitsplatte. Dani saß bereits am Fenster. Er trank den ersten Schluck im Stehen, ging ins Wohnzimmer und holte das Telefon.
