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RESTBIERAKTEN · KAPITEL 6

OH-AH-PROTOKOLL

Oh-Ah-Protokoll – Original-Artwork auf SoundCloud

OH-AH-PROTOKOLL

Die Geschichte

Chris hat den Titel schon aufgeschrieben, bevor Phanti zugibt, dass überhaupt ein Fall existiert.

**OH-AH-PROTOKOLL.**

Phanti liest.

„Nein."

Chris:

„Doch."

„Das sind zwei Laute."

„Exakt."

„Das ist keine Akte."

Chris lehnt sich zurück.

„Dann dürfte die Beweisaufnahme kurz werden."

— Im Raum läuft ein Song, dessen wichtigste Bestandteile bereits nach wenigen Sekunden vollständig bekannt sind.

„Oh."

Die Menge antwortet.

„Ah."

Wieder Antwort.

Dann:

„Hände hoch!"

Hände hoch.

„Noch mal!"

Noch mal.

Phanti sieht auf die Bühne.

Dann zu Chris.

„War das jetzt schon alles?"

Chris hört weiter.

„Warte."

Noch ein „Oh".

Noch ein „Ah".

Chris nickt.

„Jetzt."

— Das Faszinierende ist nicht, dass es funktioniert.

Natürlich funktioniert es.

Zwei Laute sind schwer falsch zu verstehen.

Keine Handlung.

Keine komplizierte Zeile.

Kein Gedanke, den man erst entschlüsseln müsste.

Man muss nur wissen, wann man dran ist.

Und genau das weiß hier jeder.

— Phanti beobachtet die Menge.

„Zwei Laute, drei Kommandos."

Chris:

„Fertig ist der Abendplan."

Phanti dreht sich zu ihm.

„Schreib."

Chris tippt.

— Der nächste Durchlauf beginnt.

Diesmal kommt das „Ah" früher.

Phanti hebt eine Braue.

„Variation."

Chris:

„Mutig."

Links ein „Oh".

Rechts ein „Ah".

Dann alle.

Phanti:

„Jetzt ist es räumlich."

Chris:

„Fortschritt."

— Sie hören genauer hin.

Nicht aus Bosheit.

Zumindest behauptet Chris das.

Aber je länger sie zuhören, desto deutlicher wird das System.

Wo ein Satz beginnen könnte, kommt ein Laut.

Wo eine Idee weitergeführt werden könnte, kommt ein Kommando.

Wo eigentlich etwas Neues passieren müsste, wird einfach die Richtung gewechselt.

Links.

Rechts.

Alle.

Noch mal.

Lauter.

— Phanti:

„Wenn der Raum den Sinn ergänzt, musst du selber keinen bringen."

Chris stoppt beim Tippen.

„Der bleibt."

„War keine Zeile."

„Jetzt schon."

— Dann fällt die Musik kurz zurück.

Nur Stimme.

„Oh."

Pause.

„Ah."

Ohne die Menge wirkt es plötzlich kleiner.

Deutlich kleiner.

Phanti hört hin.

„Interessant."

Chris:

„Was?"

„Vorher sah es größer aus."

— Chris kennt die Mechanik.

Publikum kann einen Song tragen.

Manchmal so weit, dass niemand mehr fragt, was der Song selbst eigentlich trägt.

Das ist nicht automatisch schlecht.

Gemeinschaft ist Teil von Musik.

Ein Raum darf etwas größer machen.

Aber irgendwann wird interessant, was übrig bleibt, wenn man den Raum abzieht.

Hier bleiben zwei Laute.

Sehr selbstbewusst vorgetragen.

— Phanti:

„Ein Geräusch mit Selbstvertrauen."

Chris lacht.

„Mehr war da die ganze Zeit."

„Klingt hart."

„Ist aber übersichtlich."

— Die Hook beginnt wieder.

Diesmal macht Chris mit.

Nur einmal.

„Oh."

Phanti sieht ihn an.

Chris:

„Recherche."

„Natürlich."

Dann:

„Ah."

Phanti:

„Du bist Teil des Problems."

— Chris grinst.

„Funktioniert aber."

Phanti:

„Das macht es schlimmer."

— Sie beginnen, das Ganze tatsächlich zu protokollieren.

Nicht ernsthaft.

Aber ernsthaft genug.

Chris öffnet eine Notiz.

**LAUT 01: OH**

**LAUT 02: AH**

**KOMMANDO 01: HÄNDE HOCH**

**KOMMANDO 02: NOCH MAL**

**KOMMANDO 03: ALLE**

Phanti liest.

„Fehlt laut."

Chris ergänzt:

**KOMMANDO 04: LAUTER**

Phanti:

„Jetzt ist es vollständig."

— Dann kommt ein neuer Abschnitt.

Beide hören hin.

Andere Klangfarbe.

Andere Begleitung.

Kurzer Aufbau.

Und dann:

„Oh."

Chris schließt die Augen.

Phanti:

„Da ist die Überraschung."

— Ein Mann neben ihnen singt begeistert mit.

Chris fragt:

„Kennst du den Song?"

„Klar!"

„Wie heißt die zweite Strophe?"

Der Mann überlegt.

Lange.

Dann:

„Keine Ahnung."

Phanti:

„Hook?"

Sofort:

„OH-AH!"

Phanti nickt.

„Beweisführung abgeschlossen."

— Der Mann zieht weiter.

Chris:

„Das ist fast unfair."

Phanti:

„Warum?"

„Weil es exakt funktioniert."

„Hab ich nie bestritten."

— Und das ist der Unterschied.

Sie untersuchen hier keinen schlechten Song.

Nicht einmal zwingend einen dummen.

Sie untersuchen Effizienz.

Maximale Beteiligung bei minimalem sprachlichem Material.

Fast beeindruckend.

Fast.

— Chris:

„Wenig Worte können treffen."

Phanti:

„Klar."

„Aber wenig ist nicht automatisch klug."

„Auch klar."

Chris:

„Dann haben wir den Kern."

— Phanti schaut wieder zur Bühne.

„Mach dein Oh."

Chris:

„Mach dein Ah."

Phanti:

„Ich nehm dir gar nichts davon weg."

Chris tippt weiter.

„Ich will nur wissen, ob dazwischen irgendwo ein Text steckt."

— Beide warten auf den nächsten Abschnitt.

Tatsächlich kommt etwas Neues.

Chris richtet sich auf.

„Da."

Phanti hört.

„Ah."

Pause.

Chris:

„Nee."

Phanti:

„War wieder Oh."

— Chris lacht.

Das Protokoll ist fertig.

— Später liegt kein Gegenstand in der Beweismittelkiste.

Kein Delfin.

Keine Krone.

Kein Shirt.

Nur ein Blatt.

Oben:

**BEWEISMITTEL 06**

Darunter:

**OH-AH-PROTOKOLL**

Phanti nimmt den Stift und ergänzt:

**Inhalt sichergestellt:**

**OH**

**AH**

Chris:

„Das ist alles?"

Phanti:

„Mehr konnten wir am Tatort nicht feststellen."

— Chris nimmt den Stift.

Schreibt darunter:

**Falls weiterer Text gefunden wird: nicht verlieren.**

Phanti liest.

Nickt.

„Sauber."

— Aus irgendeinem Lautsprecher kommt in diesem Moment wieder:

„OH!"

Chris schaut zu Phanti.

Phanti hebt warnend einen Finger.

Chris wartet.

Dann, sehr leise:

„Ah."

Phanti:

„Ich fahr dich heim."

Chris:

„Schon wieder?"

„Diesmal ernst."

— Chris legt das Blatt zu den anderen Akten.

Sechs Fälle.

Sechs völlig verschiedene Arten, wie aus wenig Material erstaunlich viel Geschichte entstehen kann.

Und bei Nummer sechs reichen dafür tatsächlich zwei Laute.

**Beweismittel sechs.**

**OH-AH-PROTOKOLL.**

**Akte 06 geschlossen.**

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