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OFFENE POSTEN · KAPITEL 11

Eine Zahl, die fehlt

Eine Zahl, die fehlt

Es gab kein Ergebnis an diesem Vormittag. Nur eine Zusage: Nora würde bis Freitag mitteilen, ob und unter welchen Bedingungen sie überhaupt Geld zur Verfügung stellen wollte. Ohne Unterschriften vorab.

Chris kam am Donnerstag allein in die Bar. Karl hatte ihn darum gebeten. Er schrieb ausdrücklich, Nora werde nicht dabei sein.

Der hintere Raum war dunkel. Karl saß auf Chris’ üblichem Platz. Am Kopfende lagen zwei leere Kartons.

„Du hast sie gegen mich aufgebracht.“

Chris stellte seine Jacke über die Lehne. „Sie haben offene Rechnungen.“

Karl schob ein Glas zur Seite.

„Weißt du, wie oft ich dir hier die Tür aufgemacht habe?“

Chris nickte. Er wollte sich diese Erinnerung nicht nehmen lassen, nur weil Karl sie jetzt verwendete.

„Ja.“

„Und jetzt sitzt du mit Leuten zusammen, die den Laden nicht einmal kennen.“

„Die haben hier gearbeitet.“

Karl stand auf. Am Fenster suchte er in seiner Jackentasche nach Zigaretten. Er fand die Packung, steckte sie wieder weg.

Chris fragte, wofür die viertausendachthundert Euro verwendet worden waren.

Karl sagte, der Kühlraum sei repariert worden.

„Alles?“

„Was soll das?“

„Die Anzahlung. War die viertausendachthundert?“

Karl schwieg.

Chris wartete. Von vorn kam das Rumpeln einer Kiste. Jemand stellte Flaschen auf ein Regal. Die Bar war geschlossen, aber der Betrieb machte weiter Geräusche.

Schließlich sagte Karl, ein Teil des Geldes sei für eine andere fällige Zahlung gewesen. Zweitausend Euro. Er hätte sie am Montag nicht mehr leisten können.

„Du hast mir einen Kühlraum erzählt.“

„Der war auch kaputt.“

Es war keine vollständige Lüge gewesen. Das machte sie für Chris schwerer zu halten. Ein echtes Problem, groß genug, um eine weitere Frage unnötig erscheinen zu lassen.

Karl setzte sich wieder. Er sah müde aus. Chris hatte ihn lange nicht müde aussehen lassen dürfen. Karl musste der sein, der die Tür öffnete, das Licht einschaltete, einen Namen auf die Liste schrieb. Selbst jetzt wollte Chris ihm helfen, diese Haltung zurückzubekommen.

Er bemerkte den Wunsch und ließ ihn unbefriedigt.

„Ich hätte dir vielleicht trotzdem geholfen“, sagte er. „Aber ich hätte selbst entschieden.“

Karl antwortete, Chris könne ja nun zufrieden sein. Alles komme ans Licht.

Chris zog seine Jacke vom Stuhl.

Er war nicht zufrieden. Er hatte nur zum ersten Mal eine Antwort bekommen, die er nicht selbst vervollständigen musste.

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