Der Schlüssel
Als Chris am nächsten Tag nach Hause kam, saß David in seiner Küche.
Zwei Tassen standen auf dem Tisch. Eine davon war leer. David hatte ihm geschrieben, dass er vorbeikomme. Chris hatte nicht geantwortet.
»Ich hab gewartet«, sagte David.
Chris blieb in der Tür stehen. Die Tasche zog an seiner Schulter.
»Du hättest warten müssen, bis ich da bin.«
David blickte auf die Uhr. »Jetzt bist du ja da.«
Auf dem Tisch lagen Chris' Notizen zur Probe. David hatte einen Ablauf mit rotem Stift verändert. Die Ankündigung für den kleinen Bandauftritt war geöffnet auf dem Laptop, den Chris am Morgen nicht heruntergefahren hatte.
»Das ist zu früh«, sagte David. »Du machst dir Druck, den du nicht brauchst.«
Chris stellte die Tasche ab.
Er sah nicht zuerst die Notizen. Er sah die benutzte Tasse, den offenen Rechner, den Stuhl, auf dem David selbstverständlich saß.
»Gib mir den Schlüssel.«
David legte den Stift hin. »Jetzt beruhig dich.«
Chris spürte den alten Reflex. Den Satz kleiner machen, David erklären, dass er es nicht böse meine. Der andere hatte helfen wollen. Er war doch oft da gewesen.
»Den Schlüssel«, sagte er noch einmal.
David lachte kurz. Dann wurde sein Gesicht hart.
Er gab ihn nicht zurück.
Die Klingel
Chris bat ihn zu gehen. David stand auf, nahm die Jacke und erklärte beim Anziehen, wie undankbar das sei. Dass Chris ohne ihn den Proberaum nicht hätte. Dass Tom erst seit ein paar Wochen wieder auftauche und jetzt offenbar alles besser wisse.
Chris öffnete die Wohnungstür. David ging, mit dem Schlüssel in der Tasche.
Am nächsten Morgen ließ Chris den Zylinder wechseln.
Er sagte David schriftlich, dass er keinen Zugang mehr zur Wohnung habe und Besuche nur nach Vereinbarung wolle. Der Schlüsseldienst gab ihm neue Schlüssel. Sie glänzten heller als der alte Satz.
Am Abend klingelte es.
Chris ging in den Flur. Sein Daumen lag bereits auf dem Öffner, bevor er Davids Stimme hörte.
Er nahm die Hand weg.
David klingelte wieder. Rief seinen Namen. Sagte, sie müssten reden. Chris stand neben der Sprechanlage, ohne die Taste zu drücken.
Eine Nachbarin öffnete unten ihre Tür. Chris hörte Stimmen, konnte die Wörter nicht verstehen. Später Schritte. Dann war es still.
Er blieb im Flur sitzen.
Das neue Schloss war eine kleine mechanische Veränderung. Sein Körper wusste davon noch wenig. Als im Treppenhaus jemand die Einkaufstasche abstellte, spannte er die Beine an. Beim nächsten Klingeln zuckte er zusammen, obwohl es aus einer anderen Wohnung kam.
Er schrieb Tom: Kannst du morgen bei der Probe den Raum aufschließen? Ich will David dort nicht treffen, ohne dass ihr da seid.
Tom antwortete: Ja. Drei passt?
Chris sagte zu. Dann legte er das Telefon auf den Boden neben sich.
