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Mein Teil vom Lärm · KAPITEL 5

Zwei Plätze am Fenster

Mein Teil vom Lärm – Original-Artwork auf SoundCloud

Zu früh

Nach der Probe stritten sie trotzdem.

Tom hatte einen Übergang vorgeschlagen. Chris unterbrach ihn, erklärte den Aufbau, spielte die Aufnahme auf seinem Telefon ab. Tom wollte noch etwas sagen. Chris hatte die Tasche bereits über der Schulter.

»Wir müssen jetzt nicht jedes Mal alles neu machen.«

»Ich rede seit einer Minute«, sagte Tom.

Chris ging.

Draußen merkte er, dass Nora noch im Raum geblieben war. Er wusste nicht, was sie zu Tom sagte. Er konnte sich mehrere Fassungen vorstellen, keine davon angenehm.

Sie vereinbarten für Samstag ein Treffen. Tom schrieb den Namen des Cafés. Chris war zwanzig Minuten zu früh da.

Am Fenster waren zwei Plätze frei. Er hängte die Jacke über den zweiten Stuhl und nahm sie wieder herunter.

Die Zeit des anderen

Jedes Mal, wenn die Tür aufging, sah Chris hin. Ein Mann schüttelte seinen Schirm, eine Frau fragte nach einem reservierten Tisch. Tom nicht.

Chris schrieb: Ich sitz hier.

Schickte es nicht.

Er schrieb: Wenn du nicht kommen willst, sag's.

Die vereinbarte Uhrzeit war noch nicht erreicht.

Chris löschte den Text. Der Kellner brachte ihm Wasser. Er schaute auf die Karte, ohne sie aufzuschlagen.

Tom kam drei Minuten nach der vereinbarten Zeit. Sein Pullover war am Kragen nass. Er sagte, die Straßenbahn habe gehalten, weil irgendwo ein Wagen auf den Schienen stand.

Chris hatte eine Antwort bereit. Irgendetwas über Zuspätkommen und den verpassten Konzertabend. Er schluckte sie hinunter.

»Willst du was trinken?«

Tom setzte sich. »Erst mal.«

Sie bestellten. Tom brauchte lange, bevor er anfing.

»Ich bin nicht nur wiedergekommen, weil du einen Schlagzeuger brauchst.«

Chris nickte.

»Du sagst immer, du willst meine Meinung. Wenn sie dir nicht passt, spielst du mir deine vor.«

Chris sah auf die Jacke in seinem Schoß.

Er wollte Beispiele nennen, bei denen das nicht gestimmt hatte. Tom hatte aber gerade von den anderen gesprochen.

»Beim Auto war's genauso«, sagte Tom.

»Ja.«

Tom wartete, ob noch etwas kam.

»Ich will, dass du den Übergang Donnerstag zeigst«, sagte Chris.

»Dann lass mich ausreden, wenn ich da bin.«

Sie saßen noch eine Stunde. Es wurde nicht durchgehend leicht. Einmal waren beide lange still. Chris legte die Jacke nicht auf den freien Stuhl zurück.

Beim Gehen nahm Tom die Karte für die nächste Probe aus seiner Tasche. Er hatte den Übergang aufgeschrieben.

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