Der Platz daneben
Dani und Chris gingen eine Woche später in eine kleine Bar. Kein Anlass, keine Reservierung. Sie fanden zwei Plätze an der Wand. Chris setzte sich so, dass er den Eingang sah. Dani nahm den Stuhl daneben.
Sie erzählte von einem Mann am Einlass einer anderen Veranstaltung, der ihr sehr ernst erklärt hatte, eine Tasche könne nicht gleichzeitig Garderobe und Handgepäck sein. Schon beim ersten Satz musste sie lachen. Dann verstellte sie die Stimme, verlor den Faden und begann noch einmal.
Chris lächelte kurz.
Er hatte am Nachmittag Eva getroffen. Sie hatten Kartons getauscht und den letzten gemeinsamen Dauerauftrag beendet. Eva hatte gefragt, ob er ihr eine Lampe mitbringen könne, die noch im Keller stand. Er hatte gesagt, ja. Danach waren sie zwei Minuten nebeneinander stehen geblieben, weil keiner zuerst gehen wollte und beide gehen mussten.
Dani wusste davon.
»Willst du nach Hause?«, fragte sie.
Chris schüttelte den Kopf.
Sie fragte kein zweites Mal.
Kein Auftrag
Dani bestellte noch Wasser. Als es kam, setzte sie die Geschichte fort. Diesmal führte sie den Mann am Einlass mit den Händen vor, die er wie zwei Waagschalen gehalten hatte. Links die Garderobe, rechts das Handgepäck.
Am Nebentisch drehte sich jemand um.
Chris hatte früher in solchen Momenten versucht, mitzuhalten. Lachen, eine bessere Geschichte, ein schnellerer Satz. Damit niemand prüfen musste, ob er den Abend verdarb.
Er hörte zu und brachte nur ein kleines Grinsen zustande.
Dani nahm einen Schluck. »Du guckst, als müsste ich das beweisen.«
»Musst du nicht.«
»Gut. Ich hätte keinen Zeugen.«
Sie lachte wieder. Er diesmal auch, kurz und rau. Dann war es vorbei. Dani machte daraus keinen Fortschritt.
Die Bar wurde voller. Eine Jacke fiel von der Lehne. Jemand suchte unter dem Tisch nach einem Ohrring. Chris half mit der Taschenlampe seines Telefons. Als er sich wieder aufrichtete, lag Danis Glas auf seinem Bierdeckel, weil der Kellner die anderen bereits abgeräumt hatte.
»Ich war heute bei Eva«, sagte er.
Dani nickte.
»Die Wohnung klingt anders.«
Er hatte den Satz nicht vorbereitet. Jetzt kam er ihm zu groß vor.
»Weniger Sachen?«, fragte sie.
»Auch.«
Sie wartete.
Chris sah auf den nassen Kreis unter dem Glas. »Wenn ich was fallen lasse, schau ich noch, ob sie es gehört hat.«
Dani ließ ihre Hand auf dem Tisch liegen. Sie legte sie nicht auf seine.
Nach einer Weile erzählte sie weiter. Er blieb sitzen, bis sie beide müde waren.
