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Jodeltime · KAPITEL 3

ECHOJÄGER

ECHOJÄGER

Die Geschichte

Die erste größere Halle verändert etwas.

Nicht Chris.

Noch nicht.

Aber die Entfernung zwischen ihm und den Leuten.

In den Hütten hatte er Gesichter gesehen.

Einzelne.

Sepp.

Den Koch.

Das Mädchen im Videoanruf.

Leute, die irgendwo auf einer Bank standen und später behaupteten, sie hätten nie auf einer Bank gestanden.

Hier sieht er zuerst Licht.

Dann Bewegung.

Dann Masse.

Die Bühne ist breiter.

Der Weg von links nach rechts dauert plötzlich länger.

Vor ihm stehen nicht mehr ein paar Reihen.

Es sind Blöcke.

Menschen hinter Menschen hinter Menschen.

Und wenn sie schreien, kommt nichts Einzelnes mehr bei ihm an.

Nur Fläche.

Daniel steht hinter ihm und sieht ebenfalls raus.

„Schon bisschen größer.“

Chris schaut ihn an.

„Bisschen.“

„Ich wollte dich langsam ranführen.“

„Sehr fürsorglich.“

„Bitte.“

Chris lehnt sich wieder zum Vorhang.

„Wie viele?“

Daniel sagt nichts.

Chris dreht sich zu ihm.

„Ich hab gefragt.“

„Du willst Zahlen?“

Chris denkt kurz nach.

„Nein.“

Daniel grinst.

„Dachte ich.“

Der Veranstalter heißt diesmal nicht Sepp.

Das ist enttäuschend.

Er heißt Florian.

Florian trägt schwarzes Hemd, Headset und den Gesichtsausdruck eines Menschen, der seit Stunden Dinge löst, von denen niemand erfahren soll.

„Chris.“

Handschlag.

„Mega, dass das klappt.“

Chris:

„Wir haben zugesagt.“

Florian nickt.

„Ja. Trotzdem.“

Chris schaut zu Daniel.

„Das hatten wir schon.“

Daniel:

„Scheint Standard zu werden.“

Florian versteht nicht ganz.

„Was?“

„Nichts.“

Die Bühne ist technisch sauber.

LED-Wand.

Licht.

Mehr Bass als notwendig.

Also wahrscheinlich genau richtig.

Beim Soundcheck steht Chris allein vorne.

Der Raum ist leer.

Das ist das Seltsame an großen Hallen.

Leer wirken sie größer als voll.

Er sagt ins Mikrofon:

„Test.“

Seine Stimme läuft durch den Raum.

Und kommt zurück.

Ganz leicht.

Verzögert.

Chris hebt den Kopf.

„Nochmal.“

Der Techniker:

„Was?“

„Lass.“

Chris geht ein Stück weiter nach vorne.

„Holla.“

Die Stimme läuft raus.

Dann zurück.

Klein.

Dünn.

Aber klar.

Chris grinst.

Daniel sitzt auf einer Kiste am Bühnenrand.

„Nicht anfangen.“

Chris:

„Was?“

„Du weißt genau was.“

„Ich teste.“

„Du jagst dein Echo.“

Chris schaut ihn an.

Pause.

„Guter Titel.“

Daniel schließt die Augen.

„Scheiße.“

Chris läuft über die Bühne.

Noch einmal.

„Holla-di-o!“

Der Raum antwortet.

Nicht wie ein Mensch.

Mehr wie eine zweite Version.

Etwas rauer.

Etwas weiter weg.

Chris stoppt.

„Das ist geil.“

Techniker aus dem Talkback:

„Das ist nur Raumreflexion.“

Chris:

„Du bist Spaß auf zwei Beinen.“

Der Techniker lacht.

„Soll ich’s rausnehmen?“

Chris:

„Auf keinen Fall.“

Daniel steht auf.

„Wir bauen jetzt keinen Song um, weil die Halle schlecht gedämpft ist.“

Chris:

„Kunst.“

Daniel:

„Baumängel.“

Später kommt jemand mit einem Tablet.

Eine junge Frau vom Veranstalter.

Nina.

„Kurze Frage.“

Chris hebt sofort die Hand.

„Wie kurz?“

Nina stoppt.

„Sehr.“

Daniel, trocken:

„Gefährlich.“

Chris:

„Schieß los.“

„Wir haben draußen Leute, die fragen, ob es heute Call-and-Response gibt.“

Chris schaut sie an.

„Was?“

„Holla.“

Chris blinzelt.

„Die fragen danach?“

Nina nickt.

„Ja.“

Daniel schaut auf sein Telefon.

„Das steht mittlerweile überall.“

„Was?“

„Videos vom letzten Abend. Drinnen gegen draußen.“

Chris nimmt Daniels Telefon.

Clips.

Kommentare.

Menschen imitieren den Ruf.

Einige nennen es:

ECHOJÄGER CHALLENGE

Chris schaut hoch.

„Wer hat das erfunden?“

Daniel:

„Nicht wir.“

Chris gibt ihm das Telefon zurück.

„Schon wieder.“

Das ist der Punkt.

Nicht dass Leute zuhören.

Das kannte Chris.

Nicht dass etwas funktioniert.

Das hatte er gehofft.

Es ist etwas anderes.

Jemand nimmt eine Idee.

Trägt sie weg.

Verändert sie.

Nennt sie anders.

Macht etwas Eigenes daraus.

Und plötzlich kommt sie zurück.

Nicht dieselbe.

Größer.

Rauer.

Manchmal besser.

Manchmal komplett bescheuert.

Aber zurück.

Backstage taucht ein Mann auf, den Chris nicht kennt.

„Chris!“

Zu vertraut.

Chris bleibt freundlich.

„Hi.“

„Wir kennen uns.“

Das sagen meistens Menschen, bei denen es nicht stimmt.

Chris:

„Woher?“

„Festival vor drei Jahren.“

Chris wartet.

Der Mann ergänzt:

„Backstage.“

Chris:

„Ah.“

Hilft nicht.

„Ich war bei Tom.“

Hilft weniger.

Chris lächelt.

„Okay.“

Der Mann klopft ihm auf die Schulter.

„Krass, was gerade abgeht.“

Chris:

„Mhm.“

„Hab ich damals schon gesagt.“

Chris hebt eine Augenbraue.

„Was?“

„Dass du richtig groß wirst.“

Chris schaut zu Daniel.

Daniel schaut demonstrativ weg.

Chris wieder zum Mann.

„Natürlich.“

„Wirklich.“

„Glaub ich.“

Der Mann nickt zufrieden.

„Ich wusste es.“

Er geht.

Chris sieht ihm nach.

Daniel:

„Echo.“

Chris:

„Was?“

„Etwas geht raus und kommt verändert zurück.“

Chris:

„Du wirst philosophisch.“

„Ich wiederhole nur deinen Song.“

„Noch schlimmer.“

Kurz darauf kommt Nina wieder.

„Noch eine kurze Frage.“

Chris:

„Das zweite kurze Ding ist nie kurz.“

Sie lacht.

„Es geht um die Gästeliste.“

Daniel sofort:

„Zu mir.“

Chris zeigt auf Daniel.

„Mein Echo.“

Daniel:

„Fick dich.“

Nina lacht und geht mit ihm.

Chris bleibt allein.

Für ungefähr zwölf Sekunden.

Dann:

„Chris?“

Er dreht sich um.

Zwei junge Männer.

Backstagebändchen.

Einer hält eine Cap.

„Können wir kurz—“

Chris schließt die Augen.

Der Satz hat wirklich Potenzial.

„Klar.“

Foto.

Noch eins.

„Kannst du Holla sagen?“

Chris sieht ihn an.

„Auf dem Foto?“

„Video.“

„Natürlich.“

Handy hoch.

Chris:

„Holla.“

Beide:

„HOLLA-DI-O!“

Chris lacht.

„Ihr seid krank.“

Einer sagt:

„Machst du heute Echojäger?“

Chris stoppt.

„Woher kennst du den Titel?“

Die beiden sehen sich an.

„Äh.“

Chris:

„Woher?“

„Irgendwo gelesen.“

„Wo?“

„Online.“

Chris dreht sich langsam zu Daniel, der gerade zurückkommt.

„Daniel.“

Daniel sieht den Blick.

„Was?“

„Der Titel ist draußen.“

Daniel:

„Welcher?“

„Echojäger.“

Daniel zieht das Telefon.

„Noch nicht offiziell.“

Chris zeigt auf die beiden.

„Die kennen ihn.“

Daniel sieht sie an.

Die beiden wirken plötzlich wie Zeugen.

„Woher?“

Einer zeigt auf sein Handy.

Ein Clip.

Soundcheck.

Nicht von heute.

Studio.

Sehr kurz.

Chris hört seine eigene Stimme.

Dann das Echo.

Er kennt die Aufnahme.

Nicht veröffentlicht.

Daniel:

„Woher ist das?“

Der Typ wird blass.

„Ich hab’s nur geschickt bekommen.“

Chris:

„Von wem?“

„Keine Ahnung.“

Daniel nimmt das Telefon nicht.

Schaut nur.

Dann:

„Schick mir den Link.“

Die beiden gehen.

Daniel tippt.

Chris wartet.

„Leak?“

Daniel:

„Sieht so aus.“

„Wer?“

„Keine Ahnung.“

„Groß?“

„Noch nicht.“

Chris nickt.

„Dann gut.“

Daniel schaut auf.

„Gut?“

Chris zuckt mit den Schultern.

„Wenn wir schon Echojäger machen, kann der Song offenbar selber jagen.“

Daniel sieht ihn lange an.

„Das ist erstaunlich entspannt.“

Chris:

„Soll ich schreien?“

„Später vielleicht.“

Beim Einlass steigt das Geräusch.

Nicht nur Lautstärke.

Erwartung.

Chris hört wieder einzelne Rufe.

Holla.

Dann irgendwo Antwort.

Noch einer.

Das läuft durch die Halle, bevor überhaupt Musik spielt.

Call.

Response.

Eine Ecke.

Andere Ecke.

Chris steht hinter dem Vorhang.

„Die machen das ohne uns.“

Daniel:

„Ja.“

„Frech.“

„Publikum.“

„Unkontrollierbar.“

Daniel schaut ihn an.

„Willst du Kontrolle?“

Chris denkt kurz nach.

„Heute nicht.“

Die Show startet.

Diesmal gibt es keine Aufwärmphase.

Jodeltime ist längst angekommen.

Beim ersten Holla kommt die Antwort sofort.

Chris merkt, dass sie sogar unterschiedliche Versionen haben.

Eine Ecke macht:

„HOLLA-DI-O!“

Eine andere:

„HOLLA-RE-I!“

Irgendwer hat daraus ein System gebaut.

Chris improvisiert.

Ruft links.

Antwort.

Rechts.

Antwort.

Hinten.

Noch lauter.

Dann:

„Wer ist da?“

Für eine Sekunde versteht niemand.

Dann ein Block:

„DU!“

Chris stoppt.

Lacht.

„Okay.“

Noch einmal.

„WER IST DA?“

Diesmal die ganze Halle:

„DU!“

Chris schaut zur Seite.

Daniel hebt beide Hände.

Keine Ahnung.

Perfekt.

Echojäger beginnt.

Halber Mond auf der LED-Wand.

Keine kitschige Bergpostkarte.

Nur dunkler Grat.

Nebel.

Kalter Kontrast.

Chris läuft nach vorne.

Der Beat bleibt zunächst dünn.

Mehr Raum.

Mehr Stimme.

Er wirft den ersten Ruf.

Die Halle gibt ihn zurück.

Dann noch einmal.

Größer.

Chris hört nicht mehr einzelne Menschen.

Nur diese riesige gemeinsame Stimme.

Es fühlt sich anders an als in der Hütte.

Dort war die Reaktion direkt.

Hier braucht sie Strecke.

Chris sagt etwas.

Es läuft durch tausende Köpfe.

Kommt zurück.

Verzögert.

Aber massiv.

Bei der Hook passiert es.

„Echojäger — schick die Stimme los—“

Die Menge übernimmt den Rest.

Nicht komplett.

Aber genug.

Chris hält das Mikrofon weg.

Sie singen weiter.

Klein geht sie raus.

Groß kommt sie zurück.

Die Zeile ist plötzlich keine Metapher.

Chris hört sie aus fremden Mündern.

Ein Gedanke, den er irgendwann irgendwo geschrieben hat.

Jetzt gehört er nicht mehr nur ihm.

Er improvisiert.

„Holla-di!“

Antwort:

„HOLLA-DO!“

„Wer ist da?“

„DU!“

Chris:

„Zu langsam.“

Die Menge buht.

Chris lacht.

„NOCHMAL!“

Diesmal schneller.

Fast perfekt.

Backstage später:

Daniel:

„Du hast sie beleidigt.“

Chris:

„Motiviert.“

„Du hast ‘zu langsam’ gesagt.“

„Sind schneller geworden.“

„Stimmt.“

Pause.

„Management.“

Chris:

„Führung.“

Nach der Show sind die Gänge voller.

Mehr Security.

Mehr Menschen mit Pässen.

Mehr Menschen ohne offensichtlichen Grund.

Chris geht Richtung Garderobe.

Jemand ruft:

„Chris!“

Er dreht sich.

Foto.

Nächste Ecke.

„Chris!“

Foto.

Tür.

„Chris!“

Noch jemand.

Er lacht irgendwann.

Nicht genervt.

Noch nicht.

Es ist absurd.

Das macht Spaß.

Ein bisschen.

Vielleicht ziemlich.

In der Garderobe sitzt Florian.

Laptop offen.

Daniel daneben.

Nina.

Und ein Mann, den Chris nicht kennt.

Anzug.

Keine Krawatte.

Sehr saubere Schuhe.

Chris bleibt in der Tür stehen.

„Das sieht teuer aus.“

Der Mann steht auf.

„Martin.“

Handschlag.

„Freut mich.“

Chris:

„Mich vielleicht gleich.“

Martin lacht.

„Gut.“

Daniel schaut kurz zu Chris.

Chris merkt es.

Speichert es.

Noch keine Bedeutung.

Martin redet über Reichweite.

Nicht unangenehm.

Noch nicht.

Er redet präzise.

Clips.

Wachstum.

Nachfrage.

Veranstalter.

Regionen.

Leute, die nicht aus dem klassischen Rap kommen.

Leute, die nicht aus der Volksmusik kommen.

Leute, die aus gar nichts kommen und einfach das Jodeln lustig finden.

Chris hört zu.

„Und?“

Martin:

„Das Ding überspringt Kategorien.“

Chris:

„Weil es keine kennt.“

Martin nickt.

„Genau.“

Chris mag die Antwort.

Das ist gefährlich.

Martin dreht den Laptop.

Eine Karte.

Punkte.

Orte.

Wo Videos geteilt werden.

Wo Anfragen herkommen.

Wo Songs häufiger laufen.

Chris schaut.

„Was ist das?“

„Resonanz.“

Chris lacht.

„Echo.“

Martin:

„Wenn du so willst.“

Daniel beobachtet Chris.

Chris sieht die Punkte.

Immer mehr.

Ein Ruf.

Dann Antwort.

Nicht vom Berg.

Vom Land.

Martin:

„Wir sollten schnell reagieren.“

Da ist es.

Das erste Mal.

Das Wort.

Schnell.

Chris schaut zu Daniel.

Daniel bemerkt es nicht.

Noch nicht.

„Wie?“

Martin:

„Mehr Content. Mehr Live. Mehr Clips. Vielleicht gezielter.“

Chris lehnt sich zurück.

„Gezielter Echo?“

Martin:

„Wenn du weißt, was funktioniert, kannst du es verstärken.“

Chris denkt nach.

„Oder kaputtmachen.“

Martin nickt.

„Auch.“

Gute Antwort.

Chris schaut ihn an.

„Du bist nicht dumm.“

Martin lächelt.

„Danke.“

Daniel:

„Romantik.“

Nina kommt rein.

„Draußen warten noch welche.“

Daniel:

„Wie viele?“

Sie nennt eine Zahl.

Chris:

„Wirklich?“

„Ja.“

„Warum gehen die nicht heim?“

Nina:

„Wollen Fotos.“

Chris schaut auf seine Jacke.

Dann zu Daniel.

„Wie lange?“

Daniel:

„Wenn wir’s schnell machen—“

Chris zeigt auf ihn.

Daniel stoppt.

Beide sehen sich an.

Dann lachen sie.

Daniel:

„Okay. Falsches Wort.“

Draußen wartet eine Reihe.

Nicht gigantisch.

Aber lang genug.

Chris stellt sich hin.

Foto.

Foto.

Foto.

Autogramm.

Handschlag.

Kurzer Satz.

Ein Junge vielleicht sechzehn.

„Ich hab gestern angefangen, wegen euch jodeln zu lernen.“

Chris:

„Bitte hör auf.“

Der Junge lacht.

„Nein.“

„Ich hab’s versucht.“

Eine Frau sagt:

„Mein Vater hört euch jetzt.“

Chris:

„Das klingt bedrohlich.“

„Der hört sonst nur alte Volksmusik.“

Chris:

„Und was sagt er?“

„Dass du nicht jodeln kannst.“

Chris nickt.

„Kompetenter Mann.“

„Aber er hört’s trotzdem.“

Chris grinst.

„Noch kompetenter.“

Dann ein Mann.

Vielleicht sechzig.

Er hält kein Telefon.

Nur eine CD-Hülle.

Alte.

Nicht von Chris.

Ein Volksmusik-Album.

Chris schaut drauf.

„Das ist mutig.“

Der Mann lacht.

„Ich wollte testen, ob du auch darauf unterschreibst.“

Chris:

„Warum?“

„Weil meine Frau meint, jetzt passt alles zusammen.“

Chris nimmt den Stift.

„Name?“

„Rudi.“

Chris schreibt:

Für Rudi. Tut mir leid.

Rudi liest.

Lacht laut.

„Perfekt.“

Später im Hotel liegt Chris auf dem Bett.

Telefon in der Hand.

Videos.

Immer wieder.

Echojäger.

Holla.

Du.

Zu langsam.

Die Crowd.

Ein Clip zeigt nur seinen Namen.

Chris ruft ihn im Song.

Dann die Menge.

Der Clip ist geschnitten.

Sein Ruf.

Antwort.

Nochmal.

Antwort größer.

Dann hundert Kommentare.

Manche schreiben seinen Namen falsch.

Manche kennen ihn offenbar seit „Jahren“.

Manche behaupten, Jodeltime sei ihre Idee gewesen.

Manche nennen es genial.

Andere peinlich.

Andere beides.

Chris liest.

Nicht lange.

Aber genug.

Eine Nachricht von Sepp.

Nur ein Video.

Sepp in seiner Hütte.

Allein.

Er stellt sein Telefon auf einen Tisch.

Geht zurück.

Schaut ernst in die Kamera.

Dann:

„Holla-di-o.“

Stille.

Sepp wartet.

Nichts.

Er sieht enttäuscht zur Tür.

Dann kommt aus der Küche:

„HALT DIE FRESSE!“

Video endet.

Chris lacht so laut, dass Daniel aus dem Nebenzimmer klopft.

„ALLES GUT?“

Chris ruft:

„SEPP!“

Daniel:

„Natürlich.“

Chris schickt ihm:

Du wippst immer noch.

Antwort:

Anzeige läuft.

Danach wird es ruhiger.

Nicht still.

Das Telefon vibriert weiter.

Chris legt es weg.

Schaut an die Decke.

Denkt an den Satz:

Du kannst hier oben alles rufen.

Das Problem ist:

Es kommt zurück.

Er hatte das als Spiel geschrieben.

Schall.

Fels.

Echo.

Jetzt versteht er etwas anderes darin.

Nicht tief.

Noch nicht.

Nur praktisch.

Ein Song geht raus.

Ein Video kommt zurück.

Ein Witz geht raus.

Ein Meme kommt zurück.

Ein Name geht raus.

Eine Version davon kommt zurück.

Manchmal größer.

Manchmal falsch.

Manchmal erkennt man ihn kaum noch.

Das Telefon vibriert.

Chris nimmt es.

Martin.

Eine Nachricht.

Morgen können wir kurz über die nächsten Schritte sprechen.

Chris schaut auf das Wort.

Kurz.

Dann lacht er.

Tippt:

Definiere kurz.

Antwort sofort:

20 Minuten.

Chris:

Also 45.

Martin:

30.

Chris:

Fortschritt.

Dann legt Chris das Telefon weg.

Wieder Display nach unten.

Nicht aus Ruhebedürfnis.

Noch nicht.

Nur weil er schlafen will.

Draußen fährt irgendwo ein Auto.

Im Flur spricht jemand.

Dann hört Chris etwas.

Sehr leise.

Vielleicht vom Hotelparkplatz.

Vielleicht aus einem offenen Fenster.

„Holla-di-o!“

Pause.

Von weiter weg:

„HOLLA-DI-O!“

Chris öffnet die Augen.

Starrt an die Decke.

Dann grinst er.

„Erwischt.“

Das Echo ist ihm gefolgt.

Nicht nur vom Berg.

Bis hierher.

Und langsam beginnt Chris zu verstehen:

Er jagt nicht mehr nur den Nachhall.

Der Nachhall jagt inzwischen ihn.