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Alpengift · KAPITEL 4

UNTER DER BAUMGRENZE

Zweiter Schnitt – Original-Artwork auf SoundCloud

UNTER DER BAUMGRENZE

Die Geschichte

Daniel hatte gelogen.

Nicht schlimm.

Nur ungefähr sieben Kilometer.

„Kleine Hütte, leicht zu finden", hatte er gesagt.

Chris steht an einer Weggabelung und betrachtet drei Möglichkeiten.

Links führt ein schmaler Weg zwischen die Lärchen.

Rechts führt ein noch schmalerer Weg zwischen die Lärchen.

Geradeaus hängt ein verwittertes Schild, dessen Pfeil irgendwann beschlossen hat, keine Verantwortung mehr zu übernehmen.

Chris zieht sein Telefon aus der Tasche.

Schwarz.

Ausgeschaltet.

Er sieht es an.

Dann die Wege.

Dann wieder das Telefon.

„Das fängt gut an."

Er steckt es zurück.

Links.

Warum?

Keine Ahnung.

Vielleicht ist genau das der Punkt.

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Der Wagen bleibt weiter unten stehen.

Irgendwann wird der Weg so schmal, dass selbst Optimismus keine Bodenfreiheit ersetzt.

Chris nimmt einen Rucksack.

Nicht den großen.

Kein Bühnenzeug.

Kein zweites Paar Schuhe.

Keine Mappe.

Das Shirt von Emma liegt gefaltet obenauf.

Er betrachtet es kurz.

Dann nimmt er es mit.

Die ersten Häuser liegen noch dicht beieinander.

Holzbalkone.

Schuppen.

Ein Gasthaus.

Vor einem Gebäude räumt ein Mann Getränkekisten aus einem Transporter.

Er sieht Chris.

Chris sieht den Moment.

Kurzes Zögern.

Erkennen.

Vielleicht.

Der Mann nickt.

„Servus."

„Servus."

Mehr nicht.

Chris geht weiter.

Beim nächsten Haus sitzt eine Frau auf einer Bank und zieht einem Kind einen Handschuh an.

Kein Blick.

Keine Reaktion.

Ein Hund kommt zum Zaun.

Der interessiert sich für Chris.

Allerdings nur, bis er feststellt, dass Chris nichts Essbares trägt.

„Auch gut."

Der Hund geht.

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Der Weg steigt.

Die Häuser werden weniger.

Dann stehen nur noch einzelne Dächer zwischen den Lärchen.

Dann keines mehr.

Chris merkt es erst, als er sich umdreht.

Unter ihm liegt das letzte Haus.

Dahinter beginnt das Tal.

Von hier wirkt es bereits anders.

Kleiner.

Geordneter.

Fast harmlos.

Chris dreht sich wieder um.

Vor ihm steht ein Schild.

Ein Ortsname.

Eine Höhenangabe.

Ein Pfeil.

Darunter ein zweiter Wegweiser.

Dann noch einer.

Chris geht vorbei.

Der nächste kommt später.

Dann lange keiner.

Irgendwann fällt ihm auf, dass er darauf wartet.

Auf den nächsten Pfeil.

Die Bestätigung, dass er richtig läuft.

Er bleibt stehen.

Vor ihm führt nur der Weg weiter.

Keine Markierung.

Keine Erklärung.

Chris schaut zurück.

Auch dort kein Schild.

„Gut."

Er geht weiter.

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An der letzten kleinen Hütte hängt eines.

Nicht für den Weg.

Ein altes Holzschild neben der Tür.

Schief im Rahmen.

Die Schrift darauf ist kaum noch zu lesen.

Darunter wurde das Holz bearbeitet.

Initialen.

Namen.

Herzen.

Jahreszahlen.

Manche sauber eingeritzt.

Andere tief hineingeschlagen.

Hundert Spuren übereinander.

Chris geht näher.

**M + S**

Darunter etwas, das einmal **THOMAS** gewesen sein könnte.

Daneben:

**FÜR IMMER**

Das „IMMER" fehlt zur Hälfte.

Regen läuft über das Holz.

Chris fährt mit dem Finger über eine Vertiefung.

Die oberen Kanten sind weich geworden.

Einige Namen lassen sich kaum noch erkennen.

Er lächelt.

Nicht spöttisch.

Eher über den Aufwand.

Jemand ist hierhergekommen.

Hat ein Messer genommen.

Oder einen Schlüssel.

Hat sich Zeit gelassen.

Hat seinen Namen in dieses Holz gedrückt, damit etwas bleibt.

Und jetzt erledigen Wasser, Sonne und Winter ihre Arbeit.

Langsam.

Ohne Meinung dazu.

Chris zieht sein Notizbuch aus dem Rucksack.

Er könnte etwas schreiben.

Tut es nicht.

Stattdessen betrachtet er das Schild noch eine Weile.

Vielleicht liegt darin überhaupt keine tiefere Bedeutung.

Vielleicht regnet es einfach auf ein altes Stück Holz.

Der Gedanke gefällt ihm fast besser.

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Die Hütte ist geschlossen.

Daneben steht eine Bank.

Chris setzt sich.

Er holt eine Flasche aus dem Rucksack, schraubt sie auf, riecht daran und nimmt einen Schluck.

Besser.

Unten im Tal bewegen sich Autos.

Von hier sehen sie aus wie Spielzeug.

Kein Geräusch erreicht ihn.

Chris denkt an Martin.

**Die Zahlen geben uns recht.**

An Laura.

**Wie gehst du mit dem um, was gerade passiert?**

An die Halle.

An den Stromausfall.

An Tausende Stimmen.

An das Telefon danach.

**RUF MICH AN. WICHTIG.**

Hier oben ist davon nichts wichtig.

Der Gedanke kommt schnell.

Zu schnell.

Chris bemerkt es.

„Nein."

Er sagt es laut.

Ein Vogel fliegt aus einem Baum.

Chris sieht ihm nach.

„Sorry."

Er nimmt noch einen Schluck.

Natürlich sind die Dinge unten wichtig.

Emma ist wichtig.

Die Musik ist wichtig.

Daniel.

Die Menschen.

Die Abende.

Sogar Martin ist auf seine eigene, gelegentlich unerträgliche Art wichtig.

Chris lehnt sich zurück.

Vielleicht ist das Problem nicht, dass unten alles unwichtig wäre.

Vielleicht ist nur nicht alles **gleich wichtig**.

Das ist etwas anderes.

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Er geht weiter.

Die Bäume verändern sich.

Erst merkt Chris nur, dass mehr Licht zwischen ihnen liegt.

Dann werden sie kleiner.

Gedrungener.

Der Wind erreicht den Weg jetzt ohne Umweg.

Die Luft ist trockener.

Kälter.

Steiniger.

Unter seinen Schuhen verschwindet der weiche Waldboden.

Flechten liegen auf Felsen.

Niedrige Büsche wachsen dort, wo sie offenbar niemand um Erlaubnis gefragt hat.

Chris bleibt vor einem Wacholder stehen.

Krumm.

Flach.

Vom Wind in eine Richtung gedrückt.

Er sieht aus, als hätte er seit Jahren Streit mit dem Berg und würde trotzdem nicht umziehen.

Chris betrachtet ihn.

„Stur."

Der Wacholder reagiert angemessen.

Gar nicht.

Chris geht weiter.

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Eine Gruppe kommt ihm entgegen.

Vier Menschen.

Rucksäcke.

Stöcke.

Keiner reagiert auf ihn.

Sie grüßen.

Chris grüßt zurück.

Vorbei.

Nach einigen Metern dreht er sich um.

Niemand dreht sich nach ihm um.

Interessant.

Weiter.

Ein älteres Paar.

„Grüß Gott."

„Servus."

Vorbei.

Nichts.

Dann ein einzelner Wanderer.

Blickkontakt.

Nicken.

Vorbei.

Chris merkt, wie etwas in ihm darauf wartet.

Auf den zweiten Blick.

Das kurze Stocken.

Die Frage.

**Bist du nicht …?**

Sie kommt nicht.

Er läuft weiter.

Noch jemand.

Nichts.

Und irgendwann versteht Chris, dass er angefangen hat, die Abwesenheit von Aufmerksamkeit zu beobachten.

Das ist absurd genug, dass er lachen muss.

Ein Mann, der nicht erkannt werden will, kontrolliert, ob ihn auch wirklich keiner erkennt.

„Ganz stark."

Er geht weiter.

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Später setzt er sich auf einen Felsen.

Unter ihm beginnt das Tal bereits zu verschwimmen.

Straßen werden Linien.

Dächer werden Flächen.

Parkplätze werden graue Rechtecke.

Von hier oben lässt sich nicht mehr erkennen, welches Auto teuer ist.

Welches Hotel fünf Sterne hat.

Wer am besten angezogen ist.

Wer Backstage darf.

Wer vor der Absperrung steht.

Alles verliert Auflösung.

Chris nimmt das Notizbuch heraus.

Schreibt:

**Von weit genug oben sieht Status aus wie Geometrie.**

Er liest den Satz.

„Fürchterlich."

Streicht ihn durch.

Darunter:

**Das Tal wird kleiner.**

Auch schlecht.

Er klappt das Buch zu.

Vielleicht muss er heute nichts schreiben.

Der Gedanke ist unangenehmer als erwartet.

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Das Telefon bleibt ausgeschaltet.

Trotzdem greift Chris danach.

Automatisch.

Beim ersten Mal ärgert er sich.

Beim zweiten lacht er.

Beim dritten hält er es einfach in der Hand.

Schwarz.

Sein eigenes Gesicht spiegelt sich schwach im Display.

Keine Nachrichten.

Keine Zahlen.

Keine Namen.

Nicht weil niemand geschrieben hätte.

Sondern weil er es nicht weiß.

Ein kleiner Unterschied.

Mit erstaunlich großer Wirkung.

Er steckt das Telefon wieder ein.

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Der Weg wird steiler.

Chris schwitzt inzwischen unter der Jacke.

Er öffnet sie.

Der Wind entscheidet sofort, dass das ein Fehler war.

Er schließt sie wieder.

„Auch eine Meinung."

Weiter.

An einer flachen Stelle sitzt ein Mann auf einem Stein und isst Brot.

Vielleicht sechzig.

Vielleicht älter.

Schwer zu sagen.

Wetter macht Gesichter ehrlicher.

Chris grüßt.

Der Mann nickt.

Chris geht vorbei.

„Du hast da was verloren."

Chris bleibt stehen.

Dreht sich um.

Der Mann zeigt hinter ihn.

Chris schaut.

Nichts.

„Was?"

„Tempo."

Chris sieht ihn an.

Der Mann beißt von seinem Brot ab.

„Du läufst, als wartet oben jemand."

Chris schaut den Weg hinauf.

„Tut keiner."

„Dann hast Zeit."

Chris muss grinsen.

„Guter Punkt."

Er setzt sich auf einen zweiten Stein.

Der Mann bietet ihm Brot an.

Chris nimmt ein Stück.

„Danke."

Sie essen.

Keiner stellt sich vor.

Das fällt Chris erst später auf.

„Gehst du hoch?", fragt der Mann.

Chris schaut Richtung offene Fläche.

„Weiß nicht."

„Auch gut."

„Was ist oben?"

Der Mann zuckt mit den Schultern.

„Mehr oben."

Chris lacht.

„Starke Werbung."

„Bin kein Tourismusverband."

Eine Weile schweigen sie.

Dann fragt Chris:

„Bist du oft hier?"

„Ja."

„Warum?"

Der Mann denkt darüber nach.

„Weil der Berg nichts von mir will."

Chris schaut ihn an.

Der Mann isst weiter.

Kein bedeutungsschwerer Blick.

Keine Pointe.

Ein Satz.

Mehr nicht.

Chris sieht hinunter ins Tal.

„Das klingt fast zu gut."

„Dann vergiss es wieder."

Chris lacht.

„Mach ich."

Natürlich macht er es nicht.

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Sie gehen getrennt weiter.

Keine Namen.

Keine Fotos.

Kein „Man sieht sich".

Chris gefällt das.

Der Bewuchs wird niedriger.

Die Landschaft öffnet sich.

Weiter oben endet der Wald endgültig.

Chris sieht die Linie deutlich.

Hinter ihm Bäume.

Vor ihm Fläche.

Er bleibt davor stehen.

Noch nicht darüber.

Er dreht sich um.

Das Tal liegt unter ihm.

Irgendwo dort unten befindet sich eine Halle, in der Menschen seinen Namen gerufen haben.

Irgendwo ein Hotel, in dem Martin vermutlich auf sein Telefon schaut.

Irgendwo sitzt Daniel und weiß wahrscheinlich längst, dass Chris sein Handy ausgeschaltet hat.

Irgendwo fährt Emma nach Hause.

Irgendwo läuft ein Song.

Vielleicht seiner.

Vielleicht nicht.

Alles passiert weiter.

Ohne dass Chris dabei ist.

Das ist überraschend beruhigend.

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Er setzt sich ins Gras zwischen die letzten Bäume.

Wind fährt durch die Äste.

Chris nimmt das Shirt von Emma aus dem Rucksack.

Breitet es über seinen Knien aus.

Die Unterschriften.

Die Nachrichten.

**Danke.**

**Für meinen Bruder.**

**Für Papa.**

**Für mich.**

Chris fährt mit dem Finger über eine davon.

Sein Name steht nicht darauf.

Das merkt er erst jetzt.

Nicht einmal groß vorne.

Das Shirt ist umgedreht.

Er sieht nur die Rückseite.

Die Namen der anderen.

Chris lächelt.

Vielleicht ist das besser.

Er denkt an das alte Holzschild.

Hundert Namen.

Regen.

Zeit.

Nicht traurig.

Nicht zynisch.

Einfach wahr.

Die Namen verschwinden irgendwann.

Was sie für jemanden bedeutet haben, vielleicht nicht gleichzeitig.

Das lässt sich schlechter messen.

Martin würde es hassen.

Chris grinst.

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Er zieht das Notizbuch heraus.

Diesmal schreibt er nicht über den Berg.

Er schreibt:

**Mein Name bleibt derselbe, auch wenn ihn hier keiner kennt.**

Er hält inne.

Darunter:

**Meine Fehler auch.**

Noch eine Zeile:

**Das Gute ebenfalls.**

Chris betrachtet die drei Sätze.

Keine große Erkenntnis.

Eigentlich ziemlich banal.

Aber vielleicht sind die brauchbaren Dinge oft banal, bevor jemand versucht, sie auf ein Poster zu drucken.

Er schreibt weiter.

**Nicht alles wird wahrer, wenn Publikum davorsteht.**

Dann klappt er das Buch zu.

Genug.

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Das Licht verändert sich.

Chris merkt, dass er lange dort gesessen hat.

Zum ersten Mal interessiert ihn nicht, wie lange genau.

Er steht auf.

Vor ihm liegt die offene Fläche.

Die letzten Bäume stehen nur wenige Schritte entfernt.

Er könnte weiter.

Tut es nicht.

Noch nicht.

Stattdessen geht er ein Stück seitlich am Waldrand entlang.

Dort steht ein weiterer Wacholder.

Noch krummer als der erste.

Chris bleibt davor stehen.

„Du hast echt gar keinen Plan, wie man repräsentativ wächst."

Der Wacholder schweigt.

„Gefällt mir."

Chris geht weiter.

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Auf dem Rückweg begegnet ihm eine Familie.

Vater.

Mutter.

Zwei Kinder.

Der Junge schaut Chris lange an.

Dann flüstert er seiner Schwester etwas zu.

Sie schaut ebenfalls.

Chris sieht es.

Da ist der Moment wieder.

Der Vater bemerkt es.

„Nicht starren."

Der Junge wird rot.

Chris geht vorbei.

Nach einigen Schritten hört er hinter sich:

„Papa, das war doch—"

Die Antwort versteht er nicht mehr.

Chris dreht sich nicht um.

Er lächelt.

Nicht weil er erkannt wurde.

Auch nicht, weil der Vater nichts gesagt hat.

Sondern weil es plötzlich keinen Unterschied macht.

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An der alten Hütte bleibt Chris erneut stehen.

Das Schild ist inzwischen trockener.

Die eingeritzten Namen noch da.

Natürlich.

Ein Nachmittag löscht keine Geschichte.

Chris schüttelt über seine eigenen Gedanken den Kopf.

„Sehr tiefgründig."

Er setzt sich kurz auf die Bank.

Sein Telefon steckt noch immer in der Tasche.

Er könnte es einschalten.

Tut es nicht.

Stattdessen sieht er auf das Tal.

Was dort unten wichtig war, ist nicht verschwunden.

Es wartet.

Termine warten.

Nachrichten warten.

Menschen warten.

Martin wartet vermutlich besonders aggressiv.

Chris muss lachen.

Aber zum ersten Mal fühlt sich das Warten nicht wie eine Verpflichtung an.

Es kann warten.

Das ist der Unterschied.

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Als er wieder beim Wagen ankommt, liegt ein Zettel unter dem Scheibenwischer.

Chris bleibt stehen.

„Natürlich."

Er zieht ihn heraus.

Keine Nachricht von Daniel.

Keine Presse.

Kein Fan.

Nur eine handschriftliche Notiz:

**BITTE HIER MORGEN NICHT PARKEN. HOLZLIEFERUNG.**

Chris liest sie.

Dann noch einmal.

Er lacht.

„Endlich vernünftige Prioritäten."

Er steigt ein.

Das Telefon legt er auf den Beifahrersitz.

Noch immer aus.

Der Schlüssel steckt.

Chris startet nicht sofort.

Er sieht in den Rückspiegel.

Weiter oben verschwinden die letzten Dächer zwischen den Bäumen.

Darüber die Linie.

Baumgrenze.

Und dahinter offene Fläche.

Keine Banner.

Keine Wegweiser.

Keine Namen.

Keine Erklärung.

Er denkt an den Mann mit dem Brot.

**Der Berg will nichts von mir.**

Fast hätte Chris daraus eine Wahrheit gemacht.

Eine schöne.

Eine einfache.

Eine, die sich gut erzählen lässt.

Er lässt es.

Vielleicht war es nur ein Satz eines Mannes, der sein Brot teilen wollte.

Das reicht.

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Chris startet den Motor.

Dann hält er wieder inne.

Schaltet ihn aus.

Steigt aus.

Nimmt das Notizbuch.

Und geht noch einmal zurück.

Nicht weit.

Nur bis dorthin, wo die letzten Bäume stehen.

Der Wind ist stärker geworden.

Chris bleibt an der Grenze.

Hinter ihm Wald.

Vor ihm Fläche.

Er dreht sich noch einmal um.

Unter ihm verschwimmen Straßen und Dächer zu Strukturen.

Dort unten wird weiter geredet.

Bewertet.

Verglichen.

Verteilt.

Vielleicht läuft Martins Telefon heiß.

Vielleicht wächst irgendeine Zahl.

Vielleicht fällt eine andere.

Hier oben wächst ein krummer Wacholder einfach dort, wo er wächst.

Chris könnte daraus eine Botschaft machen.

Tut er nicht.

Er nimmt nur den Gedanken mit.

Nicht alles braucht ein Urteil.

Nicht alles eine Position.

Und vielleicht muss ein Mensch nicht ständig senden, um zu wissen, dass er da ist.

Chris steckt das Notizbuch ein.

Dann geht er weiter.

Die letzten Bäume bleiben hinter ihm zurück.

Vor ihm liegt nur Fläche.

Keine Botschaft.

Aber Platz.

Was zurückbleibt

Der Lärm bleibt unten, aber die Gewohnheit, gesehen und bewertet zu werden, läuft zunächst mit.

Verbindung

Chris überschreitet die Baumgrenze und wechselt aus der öffentlichen Welt in die offene Berglandschaft.